Włodzimierz Ormicki wurde als Sohn eines Beamten mit dem Namen Nussbaum in Krakau geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Später änderte die jüdische Familie ihren Nachnamen von Nussbaum in Ormicki. Von 1915 bis 1922 besuchte Włodzimierz Ormicki das Krakauer Konservatorium und setzte von 1924 bis 1926 seine Ausbildung als Dirigent an der Bayerischen Akademie für Tonkunst in München fort. Im gleichen Jahr trat er seine erste Stelle als Korrepetitor an der Münchener Oper an. Es folgte ein Engagement als Korrepetitor, Kapellmeister und Chordirektor am Städtebundtheater von Solothurn-Biel in der Schweiz. 1928 wurde er als Assistent zu den Bayreuther Festspielen eingeladen. 1931 und 1932 wirkte Ormicki bei den Salzburger Festspielen mit. In den folgenden Jahren war er als Dirigent verschiedener Orchester und Chöre aktiv. 1936 wurde er Chordirektor an der Operettenbühne in Warschau, 1937 wechselte er nach Krakau, wo er das dortige Symphonieorchester leitete. Diese Tätigkeit übte er bis zum deutschen Überfall auf Polen im September 1939 aus.
Während der deutschen Okkupation versteckte sich Ormicki wie viele jüdische Einwohner der Stadt vermutlich mit gefälschten Papieren in Krakau. Im Zuge einer Verhaftungsaktion der deutschen Besatzer wurde er am 6. August 1944 mit über 6.000 weiteren polnischen Männern im KZ Plaszow bei Krakau interniert. Wahrscheinlich wurde er hierbei nicht als Jude identifiziert, sondern als Pole behandelt. Sein Bruder Wiktor Ormicki hingegen war bereits 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert, dort als Jude enttarnt und am 17. September 1941 im KZ-Komplex Mauthausen-Gusen ermordet worden.
Włodzimierz Ormicki überlebte den Krieg, baute nach der Befreiung Krakaus im März 1945 gemeinsam mit Witold Rowicki das Radio-Sinfonieorchester von Katowice neu auf und wirkte dort bis 1948 als Dirigent. Es folgten Engagements an der Philharmonie in Łódź sowie den Opern Wrocław und Bytom, wo Ormicki die künstlerische Leitung des Hauses übernahm. Von 1966 an war er erneut als stellvertretender künstlerischer Leiter und Dirigent in Katowice tätig und beendete seine Karriere als Leiter der Oper von Bydgoszcz, dem ehemaligen Bromberg. Ormicki war auch als Komponist und Übersetzer von Libretti aktiv und lehrte an verschiedenen polnischen Universitäten. Włodzimierz Ormicki starb am 31. Mai 1974 in Bydgoszcz.
1905 Krakau
1974 Bydgoszcz (Bromberg)