Władisław Kiepura wurde am 30. März 1904 im schlesischen Sosnowiec geboren, das damals zum Russischen Reich und ab 1918 zu Polen gehörte. Der Vater, Franciscek Kiepura, war ein katholischer Bäckermeister, die Mutter, Maria, geb. Najman, entstammte einer jüdischen Familie. Sein älterer Bruder war Jan Kiepura, der in den 1920er Jahren zu einem Weltstar nicht nur der Opernbühne, sondern auch des Musikfilms wurde.
Nach der Schulzeit besuchte Władisław Kiepura die Universität Warschau für ein Studium der Philologie, ließ sich aber gleichzeitig von dem prominenten polnischen Opernsänger Tadeusz Leliwa zum Sänger ausbilden. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre entschied er sich ganz für die Musik, brach das Universitätsstudium ab und zog nach Mailand, wo er die Gesangsausbildung fortsetzte. Um Vergleiche mit seinem weltberühmten Bruder zu vermeiden, wählte er den Künstlernamen Władisław Ladis, unter dem er seine Gesangskarriere bestritt.
1932 debütierte Kiepura an der Krakauer Oper in der Titelrolle von Charles Gounods Faust, wechselte jedoch noch im selben Jahr an die Nationaloper in Warschau, wo er bis 1935 blieb. Gastspiele führten ihn in dieser Zeit an die Opernhäuser Berlin, Budapest, Dresden, Lemberg und Riga. 1935 wurde der Sänger mit einem Dreijahresvertrag als Erster Tenor an die Hamburgische Staatsoper engagiert. Ob den Verantwortlichen seine Herkunft nicht bekannt war – als Sohn einer jüdischen Mutter und eines nicht-jüdischen Vaters galt er in Nazi-Deutschland als „Mischling 1. Grades“ – ist bislang nicht bekannt. 1936 allerdings wurde sein Vertrag in einen Gastspielvertrag umgewandelt und 1938 nicht mehr verlängert.
Kiepura nahm daraufhin ein Angebot der Mailänder Scala an, wo er als Rudolf in Giacomo Puccinis La Bohème debütierte. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges verließ er Europa und emigrierte in die USA, wo er jedoch nicht mehr an seine großen Erfolge anknüpfen konnte: Er trat vor allem in Aufführungen für die polnische Diaspora auf und sang zeitweilig am Civic Opera House in Chicago. Mitte der 1940er Jahre zog sich der Sänger von der Bühne zurück und begann eine zweite Karriere als erfolgreicher Immobilienmakler. Am 11. Juni 1998 ist Władisław Kiepura in Fort Lauderdale, Florida gestorben.
1904 Sosnowice
1998 Fort Lauderdale