Der Komponist und Dirigent wurde am 2. Oktober 1883 als Sohn des Konzertagenten Hermann Wolff und seiner Ehefrau Louise in Berlin geboren. Obwohl bereits als Kind musikalisch interessiert, fügte er sich dem Willen seiner Eltern und begann zunächst ein Studium der Rechtswissenschaft, das er mit der Promotion abschloss. Anschließend studierte er Dirigieren am Leipziger Konservatorium und debütierte 1909 als 2. Kapellmeister am Danziger Opernhaus. 1910 kam er als 1. Kapellmeister und Chordirektor an das Deutsche Theater in Prag und ging 1912 als Kapellmeister an das Stadttheater Münster, an dem zu dieser Zeit der spätere Hamburger Intendant Leopold Sachse als Opernregisseur arbeitete. 1913 wechselte Wolff an das Stadttheater in Düsseldorf und 1916 an die Hamburger Volksoper. 1917 kam er als Kapellmeister ans Hamburger Stadttheater, wo er schnell zu einer der Säulen des Ensembles aufstieg.
Die Hamburger Rechtsparteien und insbesondere die Nationalsozialisten rechneten Werner Wolff zu der vermeintlich „verjudeten“ Clique an der Spitze des Stadttheaters. Bereits vor der Machtübernahme gehörte der Kapellmeister daher neben dem Intendanten Leopold Sachse und dem Generalmusikdirektor Egon Pollak zu den am schärfsten attackierten Opernangehörigen. Anlässlich einer Aufführung von Richard Strauß’ Salome schrieb die lokale Nazi-Zeitung „Hamburger Tageblatt“ im Juni 1931 bösartig: „Das Orchester […] leitete am Donnerstag Werner Wolff. Seine Leistung war vortrefflich; er hat wohl als Jude eher Zugänge zu dieser Musik und diesem Stoff als ein Deutscher.“ Als kurz darauf Egon Pollak das Stadttheater verließ, setzte das Blatt im Juli nach: „Das Ausscheiden Pollaks bedeutet hier natürlich eine Hoffnung; wir würden nichts mehr begrüßen, als wenn ihm so bald wie möglich die Herren Sachse, Wolff und einige andere folgen würden.“
Ein Jahr später veranlasste der Aufsichtsrat des Stadttheaters tatsächlich eine erste Entlassungswelle, der neben anderen jüdischen Künstlern auch Werner Wolff zum Opfer fiel: Zusammen mit seiner Ehefrau, der ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammenden Sopranistin Emmy Land, wurde der 48-Jährige zum 1. August 1932 zwangspensioniert. Das Ehepaar floh in die USA, wo bereits Emmy Lands Tochter lebte. Von Rotterdam aus erreichte Wolff am 30. Oktober 1938 an Bord des Dampfers S.S. Statendam New York. Seine Ehefrau folgte bald darauf.
Werner Wolff und Emmy Land übersiedelten später nach Chattanooga, Tennessee, wo sie zunächst an der dortigen Universität und am renommierten Cadek Conservatory unterrichteten. 1943 gründeten sie die erste Opernschule des Bundesstaates und legten damit den Grundstein für das heutige Opernhaus der Stadt. Am 23. November 1961 ist Werner Wolff im schweizerischen Rüschlikon an einer Krebserkrankung gestorben.
1883 Berlin
1961 Rüschlikon