Am 10. Juni 1865 als Tochter eines Kaufmanns in Budapest geboren, erhielt Therese Rothauser ihre Gesangsausbildung zunächst in ihrer Heimatstadt bei Emmerich Bellovicz und anschließend in Berlin bei Gustav Schmidt. Zunächst Konzertsängerin, erhielt sie 1887 ein Engagement am Opernhaus Leipzig und wechselte zwei Jahre später an die Königliche Hofoper in Berlin, der sie 25 Jahre lang angehörte. Im Anschluss an eine Aufführung von Bizets Carmen , in der Rothauser die Titelrolle gesungen hatte, zeichnete sie Kaiser Wilhelm II. durch die Überreichung einer kostbaren Brosche aus. Nach ihrem Rückzug von der Bühne wirkte sie ab 1914 als Gesangspädagogin in Berlin.
Zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtübernahme lag Therese Rothausers Abschied von der Bühne bereits fast zwanzig Jahre zurück, so dass sie von der sofort einsetzenden Entlassungswelle verschont blieb. Die fortschreitende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung und der immer stärker werdende Verfolgungsdruck indes betrafen auch sie. Zwar ließ Generalintendant Heinz Tietjen „der langjährigen treuen und bedeutsamen Künstlerin“ durch den Kammersänger Fritz Soot anlässlich ihres 75. Geburtstags die Glückwünsche der Staatsoper überbringen, doch knapp ein Jahr später kürzte das Haus ihr die ohnehin knappe Pension. Alle ihre persönlich und schriftlich vorgebrachten Bitten um Aufhebung dieser existenzbedrohenden Maßnahme wurden abgelehnt.
Als Rothauser im Dezember 1941 erfuhr, dass sie und ihre Schwester Katalin Rothauser zur Deportation bestimmt waren, wandte sie sich verzweifelt an Hermann Göring als den „Schirmherrn der Staatlichen Bühnen“. „Meiner 77 ½jährigen Schwester und mir, selber 76 ½ Jahre alt,“ drohe „das Schicksal unserer jüdischen Glaubensgenossen, nämlich das von uns, den gebürtigen Ungarinnen, aus freien Stücken gewählte zweite Vaterland verlassen zu müssen, dessen Staatsangehörigkeit aus treuer Anhänglichkeit wir angenommen haben“.
Doch die erhoffte Rettung blieb aus: Am 21. August 1942 wurden Therese und Katalin Rothauser in das KZ Theresienstadt deportiert. Die Sängerin habe, so schilderte später eine Zeugin den Ablauf der Deportation, „den sie abholenden Gestapobeamten erklärt, sie wolle noch von ihrem Flügel Abschied nehmen. Sie habe sich an das Klavier gesetzt, hinter ihr habe an der Wand ein großes Bild des Kaisers gehangen, auf der anderen Seite des Flügels hätten die beiden Gestapobeamten mit abgenommenen Mützen und in Hab-Acht-Stellung gestanden. Und dann habe sie das Lied gesungen Teure Heimat, lebe wohl.“
Am 20. April 1943 ist Therese Rothauser im KZ Theresienstadt an den Haftbedingungen gestorben. Auch ihre Schwester überlebte die Haft nicht: Katalin Rothauser starb am 19. Mai 1944.
1865 Budapest
1943 Theresienstadt (Konzentrationslager)