Suse Rosen wurde am 7. März 1910 unter dem Namen Susanne Rosenthal als Tochter jüdischer Eltern in Dresden geboren. Über ihre Ausbildung ist nur bekannt, dass sie 1924/25 Schülerin von Lina Gerzer, der ersten Solotänzerin der Deutschen Oper in Berlin, war. Als diese 1927 Ballettmeisterin am Stuttgarter Landestheater wurde, sorgte sie dafür, dass die 17-jährige Suse Rosen dort ein Engagement erhielt. Das Ballett war damals noch keine eigene Sparte, sondern lieferte zumeist die tänzerischen Einlagen für Oper und Operette. Schon 1929 gab es für ihre Auftritte in Hugo Herrmanns Kammeroper Gazellenhorn und in Friedrich von Flotows Komischer Oper Fatme begeisterte Kritiken. Ab jetzt wurde sie auch als Solistin in großen Produktionen eingesetzt – in Mozarts Die Hochzeit des Figaro, in Offenbachs Orpheus in der Unterwelt und in Die schöne Helena oder in Verdis Aida, in der sie den Schwerttanz übernehmen durfte. Lina Gerzer hob damals in einer Beurteilung die „künstlerisch außerordentlichen Fähigkeiten“ der jungen Solistin hervor, und der Stuttgarter Intendant Albert Kehm beschrieb sie später als „eine außerordentlich begabte und deshalb auch sehr geschätzte Tänzerin“. Ohne Zweifel, Suse Rosen, die auch als Darstellerin in kleinen Rollen auftrat und eine Ballettschule für Kinder leitete, stand am Beginn einer großen Karriere. Hitlers Sieg hat diese verhindert und ihr Leben zerbrochen.
Der NS-Kurier, die lokale NSDAP-Zeitung, hatte schon früh gegen die junge Tänzerin gehetzt: „Der Inhalt der Operette ‚Das Lied der Liebe’“, schrieb etwa der Kritiker Erich Maier-Stehle im November 1932, „ist jüdische Schlafzimmerpoesie mit den anzüglichsten Songs. Die Rolle des Hotelstubenmädels Tini […] wurde von der […] jüdischen Solotänzerin Suse Rosen dargestellt. Das üble Spiel und der ordinäre Tanz Suse Rosens erfüllte ganz den Wunsch des Verfassers und der auserwählten Gesellschaft.“
Sechs Monate später, am 15. Mai 1933, erhielt Suse Rose vom Stuttgarter Kultusministerium die Kündigung zum Ende der Spielzeit. Nachdem sie zunächst bei ihrer Mutter in Berlin Zuflucht gesucht hatte, verließ sie Ende 1933 Deutschland. Ihre Versuche, als Varieté-Tänzerin in Belgien, Holland, Luxemburg und Italien ein festes Engagement zu finden, scheiterten. Krank und mittellos wurde sie 1934 von Freunden in der Schweiz, dann in Italien aufgenommen. Eine Scheinehe verschaffte ihr 1936 die Schweizer Staatsbürgerschaft und verhinderte die drohende Abschiebung. Ein erneuter Versuch, ab 1938 in der Schweiz wieder als Tänzerin zu arbeiten, misslang. Inzwischen Mutter einer Tochter, verdiente Suse Rosen ihren Unterhalt als Barfrau, bis sie 1943 mit einer Herzneurose zusammenbrach: Sie hatte erfahren, dass ihre Mutter und Schwester im KZ Bergen-Belsen ermordet worden waren.
Nach ihrer Genesung nahm sie die anstrengende Nachtarbeit wieder auf, die jedoch den Lebensunterhalt kaum zu sichern vermochte. Daher wanderte sich auf Einladung von Verwandten 1955 in die USA aus, wo sie sich in New York als Haushälterin durchschlug. Ihr Wunsch, nach Europa zurückzukehren, erfüllte sich erst 1963, als ihr das Land Baden-Württemberg nach acht Jahren juristischer und bürokratischer Mühen eine Entschädigungszahlung gewährte. Am 4. Februar 1968 ist Suse Rosen in Locarno gestorben.
1910 Dresden
1968 Locarno