Am 30. Dezember 1866 in Darmstadt als Sohn des jüdischen Kantors Heinrich Oppenheimer und seiner Frau Emma geboren, ging Siegfried Oppenheimer nach dem Medizinstudium 1894 zunächst nach Berlin und anschließend nach Fürth. Dort heiratete er 1898 die Fabrikantentochter Gretchen Offenbacher. 1909 kehrte er mit seiner Frau und den inzwischen geborenen Kindern Elisabeth und Hans nach Darmstadt zurück, wo er in der Kasinostraße eine Praxis als HNO-Facharzt führte. Seine 1912 erfolgte Aufnahme in die „Starkenburg Loge“ des jüdischen B’nai B’rith-Ordens zeigte, welches Ansehen er in den jüdischen Kreisen der Stadt inzwischen genoss. Möglicherweise machte sich das Hoftheater schon damals seine medizinische Kompetenz zunutze. Seit 1919 jedenfalls wurde Siegfried Oppenheimer in den Bühnenjahrbüchern offiziell als ehrenamtlicher Theaterarzt des Hessischen Landestheaters Darmstadt geführt.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme und der Massenvertreibung am Darmstädter Theater endete im Frühjahr 1933 diese Tätigkeit. Nachdem er im August 1933 zu seinem Kollegen Dr. Max Rosenthal in die Artilleriestraße umgezogen war, verließ er Darmstadt im Oktober 1934 und ging nach Berlin, wo seine beiden Kinder lebten. Von dort aus wurde Siegfried Oppenheimer am 4. August 1942 zusammen mit seiner Frau in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er am 19. Februar 1942 gestorben ist. Gretchen Oppenheimer überlebte die KZ-Haft ebenfalls nicht: Sie starb am 13. Mai 1944.
Auch die gemeinsamen Kinder wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung: Elisabeth Oppenheimer, deren Mann die Nazis schon 1937 ermordet hatten, wurde am 1. November 1941 zusammen mit ihrem 14-jährigen Sohn Heinz ins Ghetto Łódź deportiert. Dort sind beide unter ungeklärten Umständen gestorben. Hans Oppenheimer, der seit 1927 in Berlin gelebt hatte, ist wahrscheinlich ins KZ Bergen-Belsen deportiert worden und dort im März 1945 ums Leben gekommen.
1866 Darmstadt
1942 Theresienstadt (Konzentrationslager)