Am 14. Januar 1897 als Sohn eines Bankiers in Tilsit geboren, trat Sigfrid Sebba 1914 als Freiwilliger dem Militär bei und nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Nach wenigen Semestern in den Fächern Chemie und Physik wechselte er das Fach und absolvierte ein künstlerisches Studium an der Kunstakademie Königsberg. Im Anschluss daran arbeitete er während der 1920er und frühen 1930er Jahre als freier Künstler, reiste nach Asien und Skandinavien und begleitete als Zeichner den prominenten Ethnologen Leo Frobenius auf einer Expedition ins Gebiet des heutigen Ägypten. Daneben wirkte er aushilfsweise an den Staatstheatern in München und Berlin.
Sebba verfügte daher über wenig Theatererfahrung, als Intendant Gustav Hartung ihn im August 1932 als Bühnenbildner an das Hessische Landestheater Darmstadt holte. Gleichwohl lieferte der Künstler dort für zehn Aufführungen hochgelobte Bühnenbilder, darunter neben Wilhelm Schmidtbonns Der verlorene Sohn und Sigmund Graffs Die unendliche Straße vor allem für André Gides Ödipus.
Die nationalsozialistische Machtübernahme beendete sein Wirken in Deutschland, denn Siegfried Sebba war Jude. Am 31. März 1933 wurde er beurlaubt, am 3. Juni endgültig entlassen. Zu diesem Zeitpunkt allerdings hatte er Darmstadt bereits verlassen: Über Berlin war er nach Basel geflohen und von dort 1934 weiter über Dänemark nach Schweden emigriert. 1936 verließ er schließlich den Kontinent und ließ sich in Palästina nieder. Dort arbeitete er als Fotograf und Kunsthandwerker wie als Bühnenbildner am Theater in Tel Aviv. Während in Deutschland seine Bilder 1937 aus den öffentlichen Kunstsammlungen beschlagnahmt und vernichtet wurden, gewann er im selben Jahr den 1. Preis der Jerusalemer Bezalel-Kunstgewerbeschule, der heutigen Bezel Academy of Arts and Design. In den 1940er Jahren wirkte er dann erneut als erfolgreicher Maler und Bildhauer, dessen monumentale Fresken und Wandbilder öffentliche Gebäude des neu gegründeten Staates Israel prägten. Sein 1947 entstandenes Gemälde Die Schafschur gehört bis heute zu den prominentesten Kunstwerken des jüdischen Staates.
1967 kehrte Sebba nach Deutschland zurück und zog, unterstützt von der mit ihm befreundeten Malerin und Kunshändlerin Hanna Bekker vom Rath, nach Hofheim am Taunus. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit blieb er auch in den letzten Jahren seines Lebens künstlerisch produktiv. Am 12. Februar 1975 ist Siegfried Shalom Sebba in Hofheim am Taunus gestorben.
1897 Tilsit
1975 Hofheim am Taunus