Sabine Kalter wurde am 28. März 1889 in Jaroslaw – dem heutigen Jarosław in Polen – geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Sie studierte Gesang an der Wiener Musikakademie bei Rosa Papier und debütierte 1911 an der Wiener Volksoper. Ein Gastspiel führte die Altistin 1914 an das Hamburger Stadttheater, wo sie im darauffolgenden Jahr als festes Ensemblemitglied die Nachfolge von Ottilie Metzger-Lattermann antrat.
Ihr Repertoire umfasste vor allem die Alt- und Mezzo-Partien aus den Opern Richard Wagners und Giuseppe Verdis, außerdem die Herodias in Richard Strauss’ Salome, den Orpheus in Willibald Glucks Orpheus und Euridike, die Fides in Giacomo Meyerbeers Der Prophet sowie die Titelrolle in Georges Bizets Carmen. 1927 wirkte sie an der Uraufführung von Korngolds Das Wunder der Heliane und 1929 an der Uraufführung von Hindemiths Neues vom Tage an der Berliner Krolloper mit. Zudem gastierte sie ab den 1920er Jahren in Berlin, Brüssel, Paris und Wien. In Hamburg gehörte die Sängerin zu den unbestrittenen und vom Publikum gefeierten Stars des Ensembles.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 begann das Ende ihrer großen Karriere in Deutschland. Ihr Auftritt bei dem für Mai in Hamburg geplanten Reichs-Brahmsfest wurde kurzfristig annulliert: „Die Solisten-Auswahl“, so meldete die Hamburger „Philharmonische Gesellschaft“ Anfang April nach Berlin, „wird natürlich dahingehend abgeändert werden, daß keine jüdischen Künstler mitwirken. Frau Sabine Kalter und Herr Rudolf Serkin werden durch deutschstämmige Künstler ersetzt werden.“ Dennoch zögerten die neuen Machthaber ein vollständiges Berufsverbot für den Opern-Star bis Anfang 1935 hinaus. Nach ihrem letzten Auftritt als Lady Macbeth am 5. Januar 1935 floh Sabine Kalter gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bankier Max Aufrichtig, nach London.
Dort sang sie zwischen 1935 und 1939 an der Covent Garden Opera und gastierte außerdem in Paris, Brüssel und Antwerpen sowie 1936/37 mehrfach in Palästina, wo sie mit dem Palestine Orchestra und der ebenfalls vertriebenen Lotte Schöne unter der Leitung von Artur Toscanini auftrat. Zudem reiste sie aus dem Exil zu mehreren Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes nach Deutschland, etwa zu einem Liederabend am 6. Dezember 1937 in Hamburg.
Die kriegsbedinge Schließung der Covent Garden Opera bedeutete das Ende von Sabine Kalters Bühnenkarriere. In den folgenden Jahren trat sie nur noch gelegentlich auf und arbeitete vor allem als Gesangspädagogin, um ihre bescheidene Londoner Existenz zu sichern. Nach Kriegsende kehrte sie noch einmal, am 23. Oktober 1950, für einen letzten Liederabend nach Hamburg zurück. Am 1. September 1957 ist Sabine Kalter in London gestorben.
1889 Jarosław (Jaroslaw)
1957 London