Rudolf Götz wurde am 21. Oktober 1877 als Sohn eines Kaufmanns im böhmischen Tannwald geboren, dem heutigen Tanvald in Tschechien. Er besuchte das deutsche Gymnasium in Prag und studierte an der dortigen Universität. Nach dem Doktorat arbeitete Götz zunächst am Physikalisch-Chemischen Institut in Leipzig, wandte sich dann aber seiner Leidenschaft, der Musik, zu. Er studierte bei Arthur Nikisch in Leipzig und bei Felix Mottl in München und volontierte 1906/07 als Solorepetitor an der Münchner Staatsoper. 1907/08 wirkte er als Kapellmeister in Kiel, 1908/09 in Regensburg, 1909 bis 1911 in Luzern, 1912 in Graz und anschließend am Deutschen Theater in Prag. 1911 war er Korrepetitor bei den Bayreuther Festspielen.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges arbeitete Rudolf Götz als freischaffender Dirigent, Pianist und Klavierbegleiter: Er konzertierte in Hamburg und am Hof des serbischen Königs, spielte im Rundfunk und begleitete bekannte Opernsänger wie Willi Domgraf-Fassbaender und Leo Slezak. Götz sei „ein Musiker allerersten Ranges und ein Pianist grosser Klasse“, lobte Slezak 1939. Er könne deshalb „nur in der wärmsten und anerkennendsten Weise der Zeit gedenken, in der er so viele meiner Konzerte zum Erfolg führte“.
Die nationalsozialistische Machtübernahme beendete diese erfolgreiche Karriere: Rudolf Götz war Jude und konnte deshalb nach 1933 nicht mehr öffentlich auftreten. Auch seine Einnahmen aus Klavier- und Gesangsstunden wurden immer geringer und blieben schließlich ganz aus. Angesichts seiner zerstörten Existenz und der zunehmend brutaler werdenden Verfolgung bereiteten Götz und seine Ehefrau 1939 die Flucht ins Exil vor: Das Paar wollte nach Uruguay fliehen, wohin sich die gemeinsame Tochter mit ihrem Ehemann bereits in Sicherheit gebracht hatte. Aber die Flucht gestaltete sich schwierig: Der Abfahrtstermin für die Überfahrt am 29. August 1939 platzte, denn die Reederei ließ ihre Schiffe wegen des bevorstehenden Kriegsbeginns nicht mehr auslaufen. Im letzten Moment konnte das Paar am 26. September 1939 mit einem italienischen Passagierdampfer und unter Zurücklassung allen Besitzes von Genua aus Europa verlassen.
Im südamerikanischen Exil gelang es Rudolf Götz nicht mehr, sich eine neue Karriere aufzubauen – das Ehepaar lebte in folgenden Jahren von der Unterstützung durch ihre Tochter und deren Mann in Montevideo. Dort starb Margarete Götz am 4. August 1957. Rudolf Götz verstarb wenige Jahre später, am 23. Januar 1965.
1877 Tanvald (Tannwald)
1965 Montevideo