Der Sohn eines Kaufmanns aus dem böhmischen Reichenberg – heute Liberec in Tschechien – arbeitete zunächst als leitender Angestellter einer Fabrik, bevor er in Wien seine Stimme ausbilden ließ. 1897 debütierte Richard Breitenfeld an der Kölner Oper als Graf Luna in Der Troubadour. 1902 wechselte der Bariton an die Oper in Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr war er, wie die Besetzungslisten zeigen, für die Bayreuther Festspiele als Klingsor im Parsifal vorgesehen. Aus bislang ungeklärten Gründen trat er jedoch nicht auf.
Breitenfeld gehörte 24 Jahre lang zum Ensemble der Frankfurter Oper und gab daneben zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland: In Amsterdam sang er 1905 den Amfortas bei der von der Bayreuther Festspielleitung bekämpften Parsifal-Aufführung und übernahm dort später auch die Partie des Wolfram im Tannhäuser. In Zürich gastierte er 1917 als Kurwenal in Tristan und Isolde und war regelmäßiger Gast an deutschen Opernhäusern. Zudem hatte er sich als Konzertsänger und besonders als Interpret der Lieder Hans Pfitzners einen Namen gemacht.
Als Jude war Richard Breitenfeld schon in den 1920er-Jahren antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde daraus systematische Verfolgung: Breitenfeld, seit 1926 Pensionär, wurde jeder weitere Auftritt nicht nur an der Oper, sondern auch im Jüdischen Kulturbund unter Androhung des Verlustes seiner Pension verboten. Die Lebensverhältnisse von Richard Breitenfeld und seiner Ehefrau Olga verschlechterten sich in den nächsten Jahren zunehmend. Im August 1942 erhielt das Ehepaar schließlich den Deportationsbefehl. Der 72-jährige Breitenfeld schrieb verzweifelt an seinen ehemaligen Arbeitgeber: „Ich teile Ihnen mit, dass ich heute mit meiner Frau nach 39jäh. Tätigkeit an der Frankfurter Oper mit dem Judentransport (nach Theresienstadt?) wegkomme. Was geschieht mit meiner Pension?“ Nachdem die Generalintendanz bei der Stadtverwaltung die Information erhalten hatte, dass Breitenfeld am selben, spätestens aber am folgenden Tag „von der Gestapo abgeholt“ werde und die Wohnung bereits geräumt sei, wies sie die Buchhaltung an: „Der oben genannte hat unterm 29. 8. 1942 mitgeteilt, dass er mit seiner Frau am gleichen Tage durch einen Judentransport weggekommen sei. Ich bitte, die Zahlung der Versorgungsbezüge einzustellen.“
Das Ehepaar Breitenfeld wurde am 1. September 1942 mit dem Zug Da 509, Transportnummer XII/2, von Frankfurt in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort verstarb Olga Breitenfeld am 8. Oktober 1942. Auch Richard Breitenfeld überlebte die Torturen nicht. Er starb wenige Wochen später, am 16. Dezember 1942.
1869 Liberec (Reichenberg)
1942 Theresienstadt (Konzentrationslager)