Der Bassist Reinhold Fritz wurde am 16. März 1884 als Sohn eines Eisendrehers in Ruit auf den Fildern, heute ein Stadtteil von Ostfildern, geboren. Er arbeitete zunächst als Goldschmied in Esslingen, begann daneben jedoch 1904 ein Gesangsstudium in Stuttgart. 1907 wurde er zunächst als Eleve an das dortige Hoftheater verpflichtet, ein Jahr später erhielt er ein Fünfjahres-Engagement. Fritz stieg schnell zu einem führenden Bassisten des Hauses mit einem äußerst umfangreichen Repertoire an Haupt- und Nebenrollen auf, mit dem er bei meist täglich wechselnden Werken zuletzt jährlich 130 Vorstellungen bestritt. Seine künstlerische Vielseitigkeit zeigt sich auch darin, dass er nicht nur seriöse und Buffo-Partien sang, sondern auch Rollen für Heldenbariton interpretierte. Zu seinem Repertoire zählten Sarastro in der Zauberflöte und Osmin in der Entführung aus dem Serail, Rocco im Fidelio und Caspar im Freischütz, Kardinal Johann von Brogny in Die Jüdin und Ramfis in Aida. In den Opern Richard Wagners trat er als Veit Pogner in den Meistersingern, als Gurnemanz in Parsifal, als König Marke in Tristan und als Daland im Fliegenden Holländer auf, außerdem als Fafner, Hunding und Hagen in der Ring-Tetralogie. Auch in Stuttgarter Ur- und Erstaufführungen war er zu hören, so 1909 in Prinzessin Brambilla von Walter Braunfels, 1917 in An allem ist Hütchen schuld von Siegfried Wagner und 1921 in Paul Hindemiths Das Nusch-Nuschi. Trotz Gastspielen in München und Karlsruhe sowie Angeboten von anderen Häusern blieb Fritz stets als Ensemblemitglied an der Stuttgarter Oper. 1914 ehrte ihn der bayerische König mit der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, 1916 erhielt er das württembergische Charlottenkreuz und 1917 folgte seine Ernennung zum Königlichen Kammersänger.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 bedeutete für den Musiker das Ende seiner Karriere. Der Grund: Seine Ehefrau Hilda Landauer war jüdischer Herkunft. Am 1. August 1933 wurde Reinhold Fritz daher zwangspensioniert. Noch zwei Tag vor seiner Entlassung sang er ein letztes Mal die Partie des Steffano Colonna in Wagners Rienzi auf der Freilichtbühne des Großen Hauses. Als er bei seiner offiziellen Abschiedsvorstellung am 6. Dezember 1933 die Rolle des van Bett in Albert Lortzings Zar und Zimmermann gab, stand er bereits „als Gast“ auf dem Theaterzettel. Am gleichen Tag wurde Fritz in einem symbolischen Akt zum Ehrenmitglied des Theaters ernannt.
Einzelne Gastspielauftritte am Stuttgarter Haus änderten nichts daran, dass seine Sängerlaufbahn gerade auf ihrem Höhepunkt plötzlich beendet wurde. Der Ausschluss aus der Reichstheaterkammer im Jahr 1935 bedeutete schließlich das Berufsverbot, da er damit die Berechtigung verlor, weiter als Sänger tätig zu sein. Um die finanzielle Lage seiner Familie angesichts einer spärlichen Pension zu verbessern, war Fritz nun gezwungen, in einer Kohlenhandlung in Stuttgart und in einer Bielefelder Firma als Hilfskraft zu arbeiten. In zusätzliche Bedrängnis gerieten er und seine Familie wegen der Zerstörung ihrer Stuttgarter Wohnung durch Fliegerbomben. Nach Kriegsende trat der Kammersänger noch einmal in der Spielzeit 1945/1946 als Gast in zehn Vorstellungen an der Stuttgarter Oper auf. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Eningen unter Achalm. Dort ist Reinhold Fritz am 30. Oktober 1950 gestorben.
1884 Ruit auf den Fildern
1950 Eningen unter Achalm