Der am 1. April 1902 im kroatischen Ston bei Dubrovnik geborene Bariton absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Offizier der königlich-jugoslawischen Marine, beendete jedoch Mitte der 1920er Jahre seine militärische Karriere zugunsten der Musik. Er ließ sich in Zagreb ausbilden und debütierte 1929 am dortigen Opernhaus. Anschließend setzte er seine Studien in Wien und fort und erarbeitete sich ab 1930 einen Ruf als Konzertsänger, dessen „prächtiger Bariton“ regelmäßig auch im Rundfunk zu hören war. 1932 wurde der Sänger – unter dem Namen Peter Pieroti – an die Semperoper verpflichtet. Hier trat er als Hermann in Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und als Huissier in Giuseppe Verdis Rigoletto auf.
Kurz nach der Machtübernahme wurde Pierotic am 25. April 1933 entlassen, denn seine Ehefrau war Jüdin. Er verließ Deutschland und wirkte 1934/35 an der Wiener Volksoper, 1935/36 am Basler Opernhaus, 1936/37 in Aussig und anschließend bis 1939 an der Wiener Staatsoper. Dort scheint er – als Sergeant Morales in George Bizets Carmen – ein letztes Mal am 28. April 1939 aufgetreten zu sein. „Als ich spürte, dass der Krieg kommen würde“, so erinnerte sich Pierotic später, „unterschrieb ich einen Gastspielvertrag am Theatro Municipal in Rio de Janeiro“. Am Ende der Spielzeit hatte der Krieg begonnen und Pierotic beschloss, nicht mehr nach Europa zurückzukehren.
1940 ging der Sänger von Rio de Janeiro ins Exil in die USA und entfaltete eine rege Konzerttätigkeit: Er trat in Schulen, Colleges und Universitäten sowie an zahlreichen kleineren und größeren Bühnen des Landes auf. 1957 zog er sich mit einem Konzert in der Carnegie Hall von der Bühne zurück und ließ sich in der Kleinstadt Parchment, Michigan nieder. Am 26. Februar 1986 ist Piero Pierotic im nahe gelegenen Cooper, Michigan gestorben.
1902 Ston
1986 Cooper, Michigan