Peter Hermann Adler wurde am 2. Dezember 1899 im böhmischen Gablonz geboren, dem heutigen Jablonec nad Nisou in Tschechien. Seine Mutter war die 1876 geborene Else Rindskopf, sein Vater der 1868 geborene Arzt Berthold Adler.
Von 1920 bis 1924 studierte Peter Hermann Adler Musik am Prager Konservatorium und nahm Privatunterricht unter anderem bei Vítězslav Novák und Alexander von Zemlinsky. Er debütierte 1923 als Dirigent am Nationaltheater in Brünn, dem heutigen Brno, und wirkte in den folgenden Jahren als Kapellmeister an den Opernhäusern von Gablonz und Teplitz-Schönau. Von 1929 bis 1932 war er Musikdirektor am Stadttheater Bremen, bevor er 1932 als Gastdirigent an das Staatliche Sinfonieorchester der Ukraine in Kiew ging. Im gleichen Jahr kam er mit einem Gastvertrag als Dirigent und Regisseur an das Hessische Landestheater Darmstadt. Hier inszenierte er Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla, Wolfgang Amadeus Mozarts Die Entführung aus dem Serail und František Langers Drama Peripherie.
Als Jude verlor Peter Hermann Adler unmittelbar nach der Machtübernahme seine Anstellung in Darmstadt: Am 10. März 1933 erschien beim Intendanten eine Abordnung der NSDAP, darunter Ensemblemitglieder des Landestheaters, und forderte Adlers sofortige Abberufung als Dirigent einer unmittelbar bevorstehenden Fidelio-Aufführung. Kurz darauf musste der Musiker feststellen, dass, wie er dem hessischen Nazi-Staatspräsidenten Ferdinand Werner empört schrieb, während seiner Abwesenheit seine Wohnung durchsucht und alle seine Korrespondenzen beschlagnahmt worden waren – „offenbar zu dem Zweck, für die […] Unwahrheit Material beizubringen, ich sei, wie aus meiner Russland-Konzertreise hervorginge, Kommunist. […]. Sie werden“, fuhr Adler fort, „das Gefühl der Bitterkeit verstehen, wenn nun hier, abgesehen von dem für die vorhandenen Zwecke völlig ausreichenden Rasse-Argument, auch noch mit bewussten Unwahrheiten gearbeitet wird, um einem Musiker, der sich in keiner Hinsicht auch nur der kleinsten Unkorrektheit bewusst ist, zu schaden.“ Doch der verzweifelte Appell half nichts: Am 20. März 1933 wurde Adler endgültig beurlaubt und sein in den folgenden Wochen aufgelöst.
Der Musiker floh zunächst in die Sowjetunion und arbeitete als Chefdirigent des Staatsorchesters Kiew. Im Frühjahr 1939 reiste er dann über das englische Southampton nach New York aus, wo er mit dem Dampfer SS President Rossevelt am 23. April eintraf. Ab 1940 dirigierte er die New Yorker Philharmoniker, bevor er 1949 für ein Jahrzehnt als künstlerischer Direktor der NBC Opera Company wirkte. 1959 wechselte er in gleicher Position zum Baltimore Symphony Orchestra, ab 1972 dirigierte er an der Metropolitan Opera und übernahm von 1973 bis 1981 die Direktion des American Opera Centers der New Yorker Juilliard School. Am 2. Oktober 1990 ist Peter Hermann Adler in Ridgefield, Connecticut, gestorben.
1899 Jablonec nad Nisou (Gablonz)
1990 Ridgefield, Connecticut