Am 30. Juni 1887 in Wien in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren, erhielt Paul Schwarz eine musikalische Ausbildung am Konservatorium seiner Heimatstadt und debütierte in der Spielzeit 1909/10 am Stadttheater von Bielitz, dem heutigen Bielsko-Biała in Polen. 1910 ging er an die Volksoper in Wien und wechselte 1912 an das Hamburger Stadttheater, das für die folgenden 21 Jahre seine künstlerische Heimat wurde: Bis 1933 stand der Tenor und Buffo in rund 4 000 Aufführungen und mehr als 140 Rollen auf der Bühne. So sang er etwa den Manrico in Giuseppe Verdis Der Troubadour und den Pedrillo in Mozarts Die Entführung aus dem Serail, außerdem den Turiddu in Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana sowie Mime, Loge und Erik in den Musikdramen Richard Wagners. Gastspiele führten ihn nicht nur nach Berlin und Wien, sondern auch nach Amsterdam, Den Haag, Paris und New York. Zudem trat er auch in Operetten auf, etwa zusammen mit Fritzi Massary in der Volksoper im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Obgleich er zu den absoluten Publikumslieblingen gehörte, sahen die Hamburger Nationalsozialisten in ihm vor allem den Juden: Anlässlich eines Auftrittes als David in einer Aufführung der Meistersinger von Nürnberg schrieb das lokale Nazi-Blatt im Dezember 1931 boshaft: „Ein Jude kann sich eben nie in diesen frechfröhlichen und geraden deutschen Jungen hineinfühlen."
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme musste Paul Schwarz am 21. Februar 1933 einen neuen Vertrag mit deutlich schlechteren Konditionen abschließen. Drei Monate später erhielt er die Kündigung. „Im Mai“, so erinnerte er sich später, „wurde ich während einer Rheingold-Vorstellung in das Büro gerufen“ und es wurde „mir eröffnet, daß infolge der neuen nationalsozialistischen Gesetze das Theater ,judenrein’ gemacht werden müsste und ich zwangspensioniert werden sollte.“ Am 14. Juni 1933 gab er als Gaston in La Traviata seine letzte Aufführung am Stadttheater.
Da Paul Schwarz mit einer nicht-jüdischen Frau verheiratet war, genoss er den relativen Schutz einer so genannten „Mischehe“. Der Sänger engagierte sich von Beginn an im Jüdischen Kulturbund und setzte zunächst seine internationalen Gastspiele fort. Doch nach der Annexion Österreichs verlor er 1938 seinen Pass und damit auch die Möglichkeit zu Auslandsreisen. Er musste als Zwangsarbeiter bei der Hamburger Firma Rasch und Jung arbeiten, betätigte sich aber trotzdem weiterhin im Kulturbund. Nachdem seine Wohnung in Hamburg ausgebombt worden war, gelang ihm die Übersiedlung nach Berlin. Auch hier musste er als Zwangsarbeiter in einer Bautischlerei schwere körperliche Arbeit leisten.
Nach Kriegsende kehrte Paul Schwarz 1948 nach Hamburg zurück. Bei seinem letzten Auftritt an der Staatsoper am 6. April 1949 sang er den Basilio in Mozarts Die Hochzeit des Figaro. Zu seinem 75-jährigen Geburtstag ehrte ihn die Hansestadt durch die Verleihung der Brahmsmedaille. Paul Schwarz starb am 24. Dezember 1980 in Hamburg.
1887 Wien
1980 Hamburg