Der Violinist Paul Fischer war der jüngste Sohn des langjährigen Kantors des Wiener Stadttempels Adolf Fischer und dessen Frau Johanna. Paul Fischer besuchte seit 1892 das Wiener Konservatorium und erhielt dort seine Ausbildung bei Jakob Grün, Josef Hellmesberger, Ferdinand Löwe und Robert Fuchs. Bereits während seines Studiums war er Mitglied im Streichquartett von Luigi von Kunits, bevor er am 1. März 1899 als Geiger an das Orchester der Wiener Staatsoper berufen wurde. Seit 1905 spielte er im Rosé-Quartett, das als eines der berühmtesten Streichquartette der damaligen Zeit galt. Mit diesem Ensemble feierte Fischer auch international große Erfolge. 1926 wurde der Musiker in Wien zum Professor ernannt. 1931 spielte er im Bayreuther Festspielorchester.
Seine fast 40-jährige Karriere an der Staatsoper endete mit der Annexion Österreichs im Jahr 1938, denn Paul Fischer entstammte einer jüdischen Familie. Obgleich er bereits 1913 aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten war, galt er der NS-Ideologie zufolge als Jude. Er wurde deshalb wie viele andere jüdische Mitglieder der Staatsoper zum 23. März 1938 beurlaubt und zum 30. Juni 1938 zwangspensioniert. Inzwischen schwer krank, beantragte er im März 1939 die vollständige Auszahlung seiner Pensionsbezüge, um für seine nicht-jüdische Frau Leopoldine und die beiden Söhne sorgen zu können. In seinen letzten Lebensjahren wurde der Musiker, den seine „Mischehe“ bis zu diesem Zeitpunkt vor der Deportation geschützt hatte, zusammen mit seiner Familie zum Umzug in eines der „Judenhäuser“ im 2. Wiener Bezirk gezwungen. Unter den dort herrschenden ghettoartigen Bedingungen starb Paul Fischer am 4. November 1942.
1876 Wien
1942 Wien