Ottilie Metzger-Lattermann wurde am 15. Juli 1878 in Frankfurt am Main als Tochter des Journalisten Ludwig Metzger und seiner Frau Rosa geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie am Stern’schen Konservatorium in Berlin. Nach ihrem Debüt 1898 in Halle ging sie im Jahr 1900 an das Kölner Opernhaus und wechselte 1903 als erste Altistin an das Hamburger Stadttheater, das zur wichtigsten Station in ihrer Karriere wurde. 1905 sang sie dort in der Uraufführung von Siegfried Wagners Bruder Lustig, 1908 in Leo Blechs Versiegelt und 1909 in Eugen d’Alberts Izyel. Bei den Hamburger Gastspielen des weltberühmten Tenors Enrico Caruso trat sie als dessen Partnerin in den weiblichen Hauptrollen von Georges Bizets Carmen und Giuseppe Verdis Aida auf. 1921 wechselte sie an die Staatsoper in Dresden. Als herausragende Wagner-Sängerin – zu ihren Partien gehörten Waltraute, Fricka, Erda, Magdalene und Brangäne – trat sie zwischen 1901 und 1912 bei den Bayreuther Festspielen auf.
Gastspiele führten sie an zahlreiche deutsche Opernhäuser sowie nach Belgien, Österreich, Großbritannien, Russland, Skandinavien, Ungarn und in die USA, wo sie etwa 1923 mit der German Opera Company unter Leo Blech auftrat. Zudem wirkte sie auch als bedeutende Liedsängerin. 1925 nahm sie ihren Abschied von der Bühne und arbeitete in den folgenden Jahren als Pädagogin an ihrer ehemaligen Ausbildungsstätte, dem Stern’schen Konservatorium. 1931 beantragte sie ihre Pensionierung am Hamburger Stadttheater. Bei Konzerten von Bruno Walter in Berlin und Otto Klemperer in Dresden absolvierte sie 1933 ihre letzten öffentlichen Auftritte.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Ottilie Metzger-Lattermann wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt. Zwischen 1935 und 1937 engagierte sie sich für den Jüdischen Kulturbund, für den sie in Berlin, Frankfurt und Wuppertal auftrat. Erst im Juli 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, floh sie nach Brüssel zu ihrer Tochter, wo sie ihren Lebensunterhalt als Gesangspädagogin bestritt. 1942 wurde Ottilie Metzger-Lattermann von den deutschen Besatzern verhaftet, in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet. Das genaue Datum ihres Todes ist bislang unbekannt.
1878 Frankfurt am Main
1942 Auschwitz (Konzentrations- und Vernichtungslager)