Am 17. Februar 1869 als Max Davidsohn geboren, wuchs der Sänger als Sohn eines Kantors in Schwedt an der Oder auf. Im Alter von 15 Jahren begann er seine Gesangsausbildung an der Neuen Akademie für Tonkunst in Berlin und setzte seine Studien bei Mariano Padilla und schließlich am Kölner Konservatorium bei Franz Wüllner fort. 1889 debütierte der Bass-Bariton am Düsseldorfer Opernhaus als Heerrufer im Lohengrin, bevor ihn Angelo Neumann 1890 an das Deutsche Theater in Prag engagierte. 1900 kam er als 1. Heldenbariton an das Stadttheater Hamburg, dem er bis zu seinem Rückzug von der Bühne 1926 angehörte. 1929 änderte er seinen Namen in Dawison.
Der Musiker, dessen Repertoire etwa 140 Partien umfasste, galt als herausragender Wagner-Interpret und Oratoriensänger und wurde deshalb auch ab 1906 zu den Bayreuther Festspielen eingeladen. Noch 1950 erinnerte er sich an die Bayreuther Auftritte, bei denen er „noch von Frau Cosima Wagner Regieanweisungen“ erhalten habe, als „Krone seines künstlerischen Lebens“. Die Festspielleitung sah dies anders: Dawison war bereits seit 1889 immer wieder im Gespräch gewesen, seine Besetzung aber immer wieder verworfen worden – weil er Jude war. Mottl kommentierte abfällig: „Davidsohn als getreuer Eckardt für den Tannhäuser ist komisch! Ich habe seinen Brief der wohlverdienten Vernichtung geweiht!“ Als 1903 beim Probesingen ein eigentlich vorgesehener Sänger nicht genügte, bemerkte Cosima resigniert: „So bliebe uns nur der Urjude in H[amburg] übrig.“
Als die Nationalsozialisten im März 1933 die Macht übernahmen, war die Bühnenkarriere des Sängers bereits beendet: Der 64-Jährige lebte mit seiner Familie in Berlin und gab Gesangsunterricht. Im September 1935, kurz nach Erlass der „Rassegesetze“, erhielt er Berufsverbot und verlor damit die Unterrichtserlaubnis. Dawison, der mit einer nicht-jüdischen Frau verheiratet war, blieb in Deutschland und wurde Opfer der immer brutaleren Verfolgung. Er wurde wiederholt denunziert, musste ab 1939 den Zwangsnamen Israel führen und ab 1941 den „Judenstern“ tragen. Zwar bewahrte ihn die „Mischehe“ vor einer Deportation, doch wurde auch für ihn die Situation lebensbedrohlich: Am 2. März 1943 wurde er aus seiner Wohnung verschleppt und zusammen mit etwa 1500 bis 2000 anderen „Mischlingen“ und Juden aus „Mischehen“ in einer Sammelstelle in der Berliner Rosenstraße inhaftiert. Dort wurden die Verschleppten auf engstem Raum zusammengepfercht und mehrere Tage gefangen gehalten. Erst nach fünf Tagen der Angst und Ungewissheit wurde Dawison entlassen und konnte zu seiner Familie zurückkehren. Auch seine Adoptivtochter wurde zum Ziel der Verfolgung: Sie wurde wie ein „Mischling“ behandelt und zur Zwangsarbeit als Wäscherin und später beim Barrikadenbau eingesetzt.
Max Dawison und seine Familie überlebten den Krieg. Bereits 1946 bildete der mittlerweile 78-Jährige wieder Gesangsschüler aus. Am 22. April 1953 ist Max Dawison in Berlin gestorben.
1869 Schwedt (Oder)
1953 Berlin