Die gebürtige Tschechin studierte zunächst Gesang am Prager Konservatorium und debütierte 1924 am Stadttheater von Olmütz, heute Olomouc in Tschechien. Über Engagements an der Wiener Volksoper 1925 und am Stadttheater Bern 1926 kam Maria Nezadal 1927 an die Staatsoper in München: Dem dortigen Generalintendanten Clemens von Franckenstein war sie als „das stärkste Talent […], welches in letzter Zeit aufgetaucht ist“, empfohlen worden, und er engagierte die vielversprechende Sängerin. Zum Repertoire der Sopranistin gehörten neben der Aida, der Carmen und der Santuzza vor allem Wagnerpartien: Freia und Woglinde in Rheingold, Elisabeth und Venus in Tannhäuser, Sieglinde und Ortlinde in Die Walküre, Senta in Der Fliegende Holländer und Elsa in Lohengrin. Außerdem gastierte sie regelmäßig an der Covent Garden Oper in London und trat an den Staatsopern in Wien und Dresden sowie an den Opernhäusern von Amsterdam und Prag auf. 1927 wurde Nezadal zu den Bayreuther Festspielen eingeladen.
Als Tschechin war Nezadal, wie andere an der Münchner Oper beschäftigte Ausländer, bereits vor 1933 Ziel nationalistischer und rassistischer Anfeindungen geworden. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme folgte ihre Vertreibung: Entgegen vorheriger Zusagen wurde ihr Vertrag vom bayerischen Kultusminister und Gauleiter Hans Schemm nicht mehr verlängert. Zwar versicherte die Intendanz wortreich, „dass wir alle Ihren vorzeitigen Fortgang von München auf das tiefste bedauern, und dass eben dieses bedauerliche Ausscheiden nur unter dem Druck der Verhältnisse geschehen konnte“. Am Ergebnis änderte dies jedoch nichts – Nezadal war entlassen.
Zu ihrer ausländischen Staatsbürgerschaft kam noch ein zweiter „Makel“: Die Sängerin war seit 1933 mit dem Münchner Intendanten Clemens von Franckenstein verheiratet. Der langjährige konservative Theaterleiter wurde am 1. April 1934 von den Nationalsozialisten zwangspensioniert, um Platz für einen „Parteigenossen“ zu schaffen. Für Nezadal war damit als Ausländerin und Ehefrau des aus politischen Gründen entlassenen Franckenstein die Karriere in Deutschland beendet. Ein für Juli 1934 angesetztes Gastspiel an der Dresdner Staatsoper wurde „im letzten Augenblick von der vorgesetzten Behörde aus gewissen Gründen nicht genehmigt“. Auch alle Versuche, kurzfristig an der Wiener Staatsoper unterzukommen, scheiterten. Die Sängerin ging deshalb für die Spielzeit 1933/34 ans Stadttheater Basel und fand nach einer längeren Pause erst wieder 1939/40 am Stadttheater Innsbruck eine Auftrittsmöglichkeit. Nach Kriegsende gastierte Maria Nezadal 1948 in München. Am 16. November 1967 ist sie im oberbayerischen Hechendorf gestorben.
1897 Pardubice
1967 Hechendorf