Die Opernsängerin Margit Bokor wurde am 2. April 1900 unter dem Namen Margit Wahl im slowakischen Lučenec geboren, das damals noch zu Ungarn gehörte. Nach dem Gesangsstudium in Budapest und Wien debütierte die Sopranistin 1928 in der Titelpartie von Ludwig van Beethovens Oper Fidelio. Ab dem 1. August 1930 gehörte sie zum Ensemble der Semperoper, wo sie schnell glänzende Erfolge feiern konnte: So sang sie unter anderem die Brautjungfer in Carl Maria von Webers Der Freischütz, die Leonore in Giuseppe Verdis Der Troubadour, Micaëla in Georges Bizets Carmen, Venus in Richard Wagners Tannhäuser, Irene in Rienzi und Rosalinde in Johann Strauss’ Die Fledermaus. Außerdem war sie als Féodora in der Erstaufführung von Richard Heubergers Der Opernball, als Sora in Carl Millöckers Gasparone und als Frasquita in Erwin Dressels Die Zwillingsesel zu sehen. Die Kritik zeigte sich begeistert vom „sinnlichen Timbre der Stimme“, lobte die „ausgesprochene Spielbegabung“ und prophezeite: „Man möchte also an eine ungewöhnliche Entwicklung glauben.“
Die vielversprechende Karriere in Deutschland endete mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, denn Margit Bokor war Jüdin. Zwar unterschrieb auch sie die Resolution des Ensembles gegen den von den Nationalsozialisten entlassenen Generalmusikdirektor Fritz Busch und durfte, wahrscheinlich weil so schnell kein adäquater Ersatz für sie zu finden war, noch am 1. Juli 1933 in der Uraufführung von Richard Strauss' Oper Arabella auftreten. Ihr am 31. Juli 1933 auslaufender Vertrag wurde jedoch nicht mehr verlängert. Bokor verließ daraufhin Deutschland und nahm im Herbst des Jahres ein Engagement an der Wiener Staatsoper an, zu deren Ensemble sie bis 1938 gehörte. In Wien sang sie 1934 in der Uraufführung von Franz Léhars Operette Guiditta und in Franz Salmhofers Oper Die Dame im Traum. Neben ihrer Tätigkeit in Wien war sie als Octavian in Richard Strauss’ Rosenkavalier und als Cherubino in Mozarts Figaros Hochzeit ab 1934 regelmäßiger Gast bei den Salzburger Festspielen. Auch international konnte die Sängerin Erfolge verzeichnen: 1934 an der Covent Garden Opera in London, 1938 an der Grand Opéra in Paris sowie an Bühnen in Italien und Holland.
Die Annexion Österreichs durch Deutschland im März 1938 brachte Margit Bokor erneut in Gefahr. Wenige Tage, nachdem Hitler am 15. März 1938 in Wien den „Anschluss“ Österreichs verkündet hatte, wurde sie am 23. März durch die Direktion der Staatsoper beurlaubt. Am 2. Juni 1938 erfuhr sie, dass „dem nationalsozialistischen Staat die Fortsetzung des mit Ihnen abgeschlossenen Dienstvertrages nicht mehr möglich erscheint.“ Ihr Arbeitsverhältnis wurde deshalb „mit sofortiger Wirksamkeit“ beendet.
Margit Bokor floh daraufhin zunächst nach Paris. Nach Auftritten an der dortigen Grand Opéra, in Amsterdam und in Brüssel, verließ sie 1939 Europa und ging über Buenos Aires ins Exil in die USA, wo sie am 27. Oktober 1939 an Bord des Frachtschiffes S.S. Mormachawk eintraf. Begleitet wurde sie von ihrem Ehemann, dem aus Wien stammenden Impressario Paul A. Goldstein, der in den folgenden Jahren zum Geschäftsführer der US-Austrian Camber of Commerce aufstieg.
Margit Bokor gelang es, in den Vereinigten Staaten an ihre Karriere anzuknüpfen: 1939 trat sie in St. Louis in Ruggero Leoncavallos Bajazzo auf, 1940 in Chicago und Philadelphia in Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos und in der Hauptrolle in Verdis La Traviata. Außerdem gab sie Gastspiele in San Francisco und an der New Yorker Metropolitan Opera. 1947 gehörte sie zum Ensemble der New York City Opera. Am 9. November 1949 ist Margit Bokor in New York nach schwerer Krankheit gestorben. Zur Erinnerung an die Sopranistin wurde an der Columbia Universität der nach ihr benannte „Margit Bokor Memorial Fund“ gegründet, der sich in den folgenden Jahren in der Krebsforschung engagierte.
1900 Lučenec (Lizenz)
1949 New York