Marcel Noë wurde am 30. September 1885 in Storozyntz in der heutigen Ukraine geboren. Er begann ein Architekturstudium, widmete sich aber bald dem Gesang. 1911 debütierte er am Wiener Bürgertheater und gehörte seit 1913 zum Ensemble der Wiener Volksoper. Unterbrochen vom Kriegsdienst im österreichisch-ungarischen Heer wechselte er an das Deutsche Theater in Prag und nahm 1919 ein Engagement an der Berliner Staatsoper an. Dort sang er vor allem kleinere Rollen, etwa den Monostatos in Die Zauberflöte und den Mime in Der Ring des Nibelungen. Zusätzlich gastierte er an der Berliner Krolloper sowie an den Opernhäusern in Karlsruhe, München, Stuttgart, Wien und Amsterdam.
1933 wurde sein Vertrag auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vorzeitig gekündigt. Seinem Widerspruch begegnete die Intendanz der Staatsoper mit dem Hinweis, man habe beim Vertragsabschluss nicht voraussehen können, „dass die Judenfrage gesetzlich radikal gelöst werden würde.“ Nach seiner Kündigung trat der Sänger für kurze Zeit bei Opernaufführungen des Jüdischen Kulturbundes in Berlin auf, bis er 1934 nach Palästina ins Exil ging. Dort trat er unter anderem als Opernsänger an der Palestine Opera in Erscheinung, betätigte sich als Kantor in einer Synagoge, gab Konzertabende sowie Rundfunkkonzerte und wirkte als Gesangslehrer. Marcel Noë ist 1954 in Jerusalem gestorben.
1885 Storozynetz
1954 Jerusalem