Ludwig Wittels wurde am 21. März 1896 in Wien geboren. Nach einer musikalischen Ausbildung, unter anderem bei Arnold Rosé, trat der als Wunderkind geltende Geiger bereits im Alter von 15 Jahren mit Werken von Tschaikowsky und Mendelssohn Bartholdy auf. Ab 1912 studierte er an der Meisterschule des berühmten tschechischen Violinvirtuosen Otakar Ševčík, die er 1914 mit dem Staatsdiplom abschloss. Es folgten Engagements an der Volksoper in Wien und bei den Wiener Symphonikern. Im Ersten Weltkrieg war er 1917/18 als Mitglied einer Militärkapelle des „k.u.k. Infanterieregiements Nr. 4 Hoch- und Deutschmeister“ eingesetzt. Im März 1919 erhielt Wittels ein Engagement als 1. Geiger der Wiener Philharmoniker und wirkte ab 1926 auch in zahlreichen Konzerten des österreichischen Rundfunks mit. 1933 war er Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters.
Wittels Karriere endete mit dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland: Als Jude wurde er am 23. März 1938 von der Direktion der Staatsoper beurlaubt und am 31. August mit einer einmaligen Abfindung und ohne Pension in den Ruhestand versetzt. Gerade einmal 42 Jahre alt und mit dem Verlust jeglicher beruflicher Perspektive konfrontiert, entschloss sich Wittels zur Flucht ins Exil.
Mit Hilfe von Gerald Felix Warburg, einem Sohn des deutsch-amerikanischen Bankiers Felix M. Warburg, dessen Organisation sich für in Not geratene jüdische Musiker einsetzte, gelang die Flucht: Am 6. Februar 1940 verließ Wittels Europa und reiste per Schiff von Genua nach New York, wo er am 15. Februar ankam. Seine katholische Ehefrau und seine Eltern blieben in Wien zurück.
In den USA fiel es Ludwig Wittels schwer, Fuß zu fassen: In den ersten drei Jahren im amerikanischen Exil lebte er von Gelegenheitsengagements in verschiedenen Orchestern und spielte für die österreichische Exilorganisation „Austrian Action“. Für diese trat er etwa im Oktober 1941 an der Seite von Emanuel List und Paul Wittgenstein in der New Yorker Carnegie Hall auf.
Erst 1943 erhielt Ludwig Wittels ein Engagement als Geiger im Orchester der Metropolitan Opera, das ihm eine stabilere Lebensgrundlage bot. Doch die Demütigung der Vertreibung wie die Strapazen von Verfolgung, Flucht und Neuanfang hatten ihn nachhaltig beschädigt. Auch die ungesicherte berufliche Stellung an der Met, die mit ihren Künstlern nur Verträge über vier Monate abschloss, so dass die Ensemblemitglieder zusätzliche Engagements suchen mussten, machten ihm zu schaffen. Hinzu trat die Ungewissheit über das Schicksal seiner Eltern: Sein Vater war im November 1941 gestorben, und seine 71-jährige Mutter war, wie er erst später erfuhr, am 3. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet worden.
Psychisch und körperlich schwer krank schied Ludwig Wittels im Juni 1956 aus dem Orchester der Metropolitan Opera aus. Das Trauma seiner Vertreibung aus Wien hatte er nie überwinden können: „Es ging mit ihm schlafen und stand mit ihm auf“, berichtete später seine zweite Ehefrau. Am 13. Dezember 1956 ist Ludwig Wittels in New York gestorben.
1896 Wien
1956 New York