Der Cellist Lucian Horwitz wurde am 12. August 1879 in Wien geboren. Über die Anfänge seiner Karriere ist nur wenig bekannt. Als Mitglied der Berliner Philharmoniker trat er 1902 bei einem Konzertabend mit Werken von Ignaz Brüll in der Wiener Toynbee Halle auf. Später kehrte er nach Wien zurück, um 1914 war er Mitglied des Wiener Tonkünstler-Orchesters. Inzwischen ein gefeierter Cellist, trat er in zahlreichen Konzerten als Solist auf. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörter er zum Ensemble des Wiener Sinfonie-Orchesters, wirkte aber auch weiter als Solocellist. In diesem Rahmen er gab auch mehrmals Konzerte mit Hermine Kittel, Solistin in Bayreuth und Schwester Carl Kittels, des langjährigen Mitglieds der Bayreuther Festspielleitung. Möglicherweise über diesen Kontakt wurde man in bei den Wagner-Festspielen auf ihn aufmerksam: 1924 rückte er auf eine Ersatzliste für das Orchester. Allerdings war sein Name von dem für die Zusammenstellung des Orchesters verantwortlichen Dirigenten Karl Muck mit einem Hakenkreuz versehen worden – offenbar ein Code dafür, den jüdischen Cellisten unter keinen Umständen zu besetzen. Dementsprechend spielte Lucian Horwitz nie im Bayreuther Festspielorchester.
Noch mindestens bis März 1927 trat er in Wien mit dem Sinfonie-Orchester auf. Über sein Leben in der Zeit bis Ende der 1930er-Jahre liegen keine Informationen vor. Mit der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich war Lucian Horwitz seit 1938 der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt: Er wurde am 24. September 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Selbst dort war er noch musikalisch tätig, zum einen als Leiter eines von ihm aufgestellten Häftlingsensembles, vor allem aber als Mentor für die jüngeren Musiker unter den Internierten. Am 28. Oktober 1944 wurde Lucian Horwitz mit dem letzten Transport aus dem KZ Theresienstadt in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
1879 Wien
1944 Auschwitz (Konzentrations- und Vernichtungslager)