Als Tochter des Geschäftsführers Otto Siegfried Bodenstein und seiner Ehefrau Josefine, geb. Hilfreich, wurde Lotte Schöne – unter dem bürgerlichen Namen Charlotte Bodenstein – am 15. Dezember 1891 in Wien in eine jüdische Familie geboren. In ihrer Heimatstadt erhielt sie auch ihre Gesangsausbildung, zunächst ab 1908 bei Johann und Luise Ress, ab 1912 dann bei Maria Brossement. Noch während ihrer Ausbildung debütierte sie 1912 an der Wiener Volksoper als Brautjungfer in Carl Maria von Webers Der Freischütz und entwickelte sich schnell zu einer der Stützen des Ensembles. 1917 wechselte sie an die Wiener Hofoper, wo sie als Papagena in Mozarts Die Zauberflöte debütierte und sich in den folgenden neun Jahren vor allem die Partien für Koloratursopran sowie später die lyrischen Partien erschloss. 1926 ging sie an die Städtische Oper in Berlin, an die sie von Bruno Walter verpflichtet worden war. Zudem trat sie in den folgenden Jahren regelmäßig an der Staatsoper Unter den Linden auf. Gastspiele führten sie außerdem an die Staatsopern in Dresden, München und Wien, an die Covent Garden Opera in London, die Opéra-Comique in Paris sowie zu den Salzburger Festspielen und dem Maggio Musicale in Florenz.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 beendete Lotte Schönes Karriere in Deutschland. Ihr Name stand auf der „Judenliste“ der Nazi-Betriebszelle an der Staatsoper, die ihren Vertrag zum Ende der Spielzeit auslaufen ließ. Die Sängerin flüchtete nach Paris, wo sie ihre Karriere zunächst an der Grande Opéra und der Opéra Comique fortsetzen konnte. Zudem trat sie regelmäßig als Konzertsängerin auf, gab Gastspiele in Amsterdam und unternahm Konzertreisen durch Frankreich, die Benelux-Staaten und die Schweiz. 1938 beendete sie ihre Bühnenkarriere.
Der deutsche Überfall auf Frankreich im Mai 1940 und die sich anschließende Besetzung des Landes brachten Lotte Schöne in Lebensgefahr. Sie floh in ein Dorf in den französischen Alpen, wo sie sich bis zur Befreiung des Landes versteckt hielt.
Nach Kriegsende trat die Künstlerin erneut als Konzertsängerin in Erscheinung und war 1948 auch noch einmal an der Städtischen Oper in Berlin als Susanna in Mozarts Hochzeit des Figaro zu sehen. 1953 nahm sie ihren endgültigen Abschied von der Bühne und wirkte in den folgenden Jahren als Gesangspädagogin.
Am 22. Dezember 1977 ist Lotte Schöne in Bobigny bei Paris gestorben.
1891 Wien
1977 Bobigny