„Ich bin ein aufrichtiger Bewunderer seiner großen Kunst, die in ihrer Vereinigung von Sicherheit und Klarheit mit Eleganz und Geschmeidigkeit unvergleichlich ist.“ (Wilhelm Furtwängler über Leo Blech 1931)
Leo Blech, am 22. April 1871 in Aachen geboren, absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre und anschließend ein Klavier- und Kompositionsstudium an der Berliner Musikhochschule. Seine Laufbahn als Kapellmeister begann, als das Aachener Stadttheater 1893 seinen Einakter Aglaja uraufführte und den jungen Komponisten zum zweiten Kapellmeister ernannte. Nach Vertiefung seines Kompositionsstudiums bei Engelbert Humperdinck wurde er 1899 an das Neue Deutsche Theater in Prag berufen. 1906 erhielt Blech seinen ersten Vertrag an der Königlichen Hofoper Unter den Linden und wurde dort sieben Jahre später zum Königlich Preußischen Generalmusikdirektor ernannt. 1923 wechselte er an das Charlottenburger Opernhaus, kehrte jedoch nach drei Jahren wieder an die Staatsoper zurück. Dort erhielt er 1928 einen Vertrag für zehn Jahre. Blech stand damals auf dem Höhepunkt seines Schaffens und war als Dirigent wie als Orchestererzieher weltweit geschätzt. Berühmt waren seine elegant formulierten „Denkzettel“, lobende oder tadelnde Briefchen, die er den Solisten nach der Probe oder der Vorstellung in die Garderobe bringen ließ.
Im Frühjahr 1933 stand sein Name ganz oben auf der Liste, die die Betriebszelle der Nazis für die anstehenden „Säuberungen“ im Haus angelegt hatte. Aber Göring entschied in einem Gespräch mit den Leitern der Staatsoper, Heinz Tietjen und Wilhelm Furtwängler, dass der „Volljude“ Blech „bis auf weiteres“ im Amt bleiben durfte. Mit dem Jahr 1936 endete diese Schonfrist: Hans Hinkel, der für „Judenfragen“ zuständige Referent im Propagandaministerium, begann Druck auszuüben. Schon ein Jahr später konnte Tietjen melden, dass Blech „auf dem Wege der Verständigung“ am 15. April vorzeitig ausgeschieden sei.
Der Vertriebene emigrierte nach Lettland, wo er als Dirigent am Nationaltheater in Riga wirkte. 1940 wurde ihm angeboten, als Direktor des Konservatoriums nach Moskau zu wechseln, aber er lehnte ab. Als am 1. Juli 1941 deutsche Truppen Riga besetzten und Blechs Deportation ins Ghetto drohte, wandte er sich mit einem Hilferuf an seinen ehemaligen Intendanten. Tietjen setzte sich für ihn ein und sorgte dafür, dass er mit seiner Frau unter dem Schutz von Hermann Göring nach Schweden ausreisen konnte. Während er in Stockholm als Hofkapellmeister überlebte, wurde er in Deutschland ausgebürgert und enteignet. Nach dem Krieg war Blech der wichtigste Entlastungszeuge für Heinz Tietjen in dessen langwierigem Entnazifizierungsverfahren. Als dieser 1948 Intendant der Deutschen Oper in Berlin-Charlottenburg wurde, berief er seinen vertriebenen Mitarbeiter erneut zum Generalmusikdirektor. Leo Blech wirkte dort bis 1954. Am 25. August 1958 ist er im Alter von 87 Jahren in Berlin gestorben.
1871 Aachen
1958 Berlin