Am 10. März 1902 im niedersächsischen Lehrte in eine jüdische Familie geboren, hatte Kurt Hirschfeld in Heidelberg Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte studiert und anschließend für den Berliner Börsen-Kurier und das Radio gearbeitet. Der Intendant des Hessischen Landestheaters, Gustav Hartung, machte ihn 1931 zum Dramaturgen in Darmstadt, weil er, wie Hartung dem gerade einmal 29jährigen schrieb, „kein arrivierter Mann“ sei, sondern jemand, dem er vertraue und den er „durchzusetzen“ versuche.
Der junge Dramaturg machte die Blätter des Hessischen Landestheaters zu einer der führenden Theaterzeitungen, holte Autoren wie André Gide nach Darmstadt und setzte radikale Stücke wie Bertolt Brechts Heilige Johanna der Schlachthöfe auf den Spielplan. In der zweiten Spielzeit bekam er auch als Regisseur u. a. von Franz Werfels Juarez und Maximilian und Hans Rehfischs Razzia beste Kritiken. Hirschfeld war neben dem Intendanten die prägende Gestalt am Landestheater geworden. Daher verwundert es nicht, dass er mit diesem am 13. März 1933 vertrieben wurde.
Kurt Hirschfeld verließ Darmstadt und suchte in der Berliner Wohnung seines Kollegen Wilhelm Reinking Zuflucht. Anfang Mai beendete ein Angebot von Hartung, mit ihm ans Schauspielhaus Zürich zu gehen, die unsichere Lage. Zugleich nutzte er seine Stellung, um andere Vertriebene – so den Bühnenbildner Teo Otto, den Regisseur Leopold Lindtberg, die Schauspieler Therese Giese, Kurt Horwitz, Leonard Steckel, Wolfgang Langhoff, Ernst Ginsberg und später auch Karl Paryla – nach Zürich zu holen und entwarf einen Spielplan, der aus dem bisherigen Boulevardtheater ein seriöses Haus machte. Mit der Inszenierung von Ferdinand Bruckners Die Rassen und Friedrich Wolfs Professor Mannheim setzten Leitung und Ensemble ein unüberhörbares Signal: Das Schauspielhaus Zürich würde ein Anti-Nazi-Theater sein.
Doch bald schon mobilisierten die Schweizer Faschisten gegen diesen Kurs und organisierten Proteste gegen die „Drei-Schweine-Oper“ – gemeint war die Leitung aus Hartung, Hirschfeld und dem jüdischen Theaterbesitzer Ferdinand Rieser. 1934 kam es zum Bruch mit Rieser und Hirschfeld verließ das Theater. Er arbeitete zunächst als Lektor im Verlag des befreundeten Buchhändlers Emil Olprecht und ging später als Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung und Regieassistent des Theaterrevolutionärs Wsewolod Meyerhold nach Moskau. Als dieser 1938 im Zuge der stalinistischen Säuberungen ermordet wurde, kehrte Hirschfeld nach Zürich zurück und rettete zusammen mit Olprecht und theaterbegeisterten Investoren das durch den plötzlichen Rückzug des vom öffentlichen Druck zermürbten Rieser führungslos gewordene Schauspielhaus.
Angesichts der Gefahr, dass ganz Europa zur Beute der Nazis wurde, definierte er als Aufgabe des Theaters, „das Bild des Menschen in seiner ganzen Mannigfaltigkeit […] zu zeigen“, um so eine Position gegen die zerstörenden Mächte des Faschismus zu schaffen“ und schlug vor, dafür einen „nüchternen, humanen Stil auszubilden.“ Das Material diese Rettungsversuch wurden die Klassiker und die Stücke Bertolt Brechts: Mutter Courage, Der gute Mensch von Sezuan und eine frühe Fassung des Galileo Galilei erlebten hier ihre Uraufführung. Das Zürcher Schauspielhaus wurde so zum bedeutendsten freien Theater im deutschsprachigen Raum.
Auch nach Kriegsende blieb Hirschfeld in Zürich und prägte das Schauspielhaus, dem er ab 1961 als Direktor vorstand, mit zahlreichen wichtigen Inszenierungen. Zu ihnen zählen die Uraufführungen von Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti (1946) wie von Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame (1956) und Die Physiker (1961) sowie von Max Frischs Andorra (1962).
Am 8. November 1964 ist Kurt Hirschfeld in Tegernsee gestorben.
1902 Lehrte
1964 Tegernsee