Kurt Abraham Salnik wurde am 17. Oktober 1894 im lettischen Riga geboren, das damals zum Russischen Reich gehörte. Möglicherweise im Verlauf des Ersten Weltkriegs verließ er Riga und kehrte auch nach der Gründung des unabhängigen Staates Lettland nicht mehr in seine Heimat zurück. So gelangte er als Staatenloser nach Hamburg, wo er seit 1921 als Tenor zum Chor des Stadttheaters gehörte. In der Hansestadt heiratete er die ebenfalls staatenlose Frieda Salnik, geb. Kurljantschick, die aus Raban in Litauen stammte. Eine gemeinsame Tochter kam 1923 zur Welt. 1924 trat Kurt Abraham Salnik der Deutsch-Israelitischen Gemeinde bei.
Im Sommer 1934 wurde Kurt Abraham Salnik nach 13 Jahren am Stadttheater wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen und erhielt fortan nur eine äußerst geringe Rente. Ohne berufliche Perspektive und unter dem immer stärker anwachsenden Verfolgungsdruck entschloss sich die Familie zur Flucht und beantragte die nötigen Papiere und Fahrkarten für eine Überfahrt von Rotterdam nach New York. Doch die notwendigen Visa trafen zu spät ein und die zeitlich befristeten Pässe für Staatenlose verfielen. Um dem Nazi-Terror zu entgehen, verließen die Salniks zwischen Februar und Juni 1939 Hamburg zunächst per Bahn in Richtung Riga, um von dort aus die Flucht vom europäischen Kontinent erneut zu planen. Nachdem im November und Dezember 1939 endlich die Visa für Salniks Ehefrau und die 17-jährige Tochter eingetroffen waren, begaben die beiden Frauen sich auf die Reise von Riga über Stockholm nach New York, wo sie im Januar 1940 an Bord des schwedischen Transatlantik-Dampfers SS Drottningholm eintrafen.
Der in Riga weiterhin auf sein Visum wartende Kurt Abraham Salnik hingegen erlebte die Besetzung Litauens erst durch sowjetische und im Juli 1941 schließlich durch deutsche Truppen, die sofort mit der Konzentrierung der jüdischen Bevölkerung begannen. Auch Salnik wurde nun in das auf deutschen Befehl hin errichtete Ghetto gezwungen, das durch das Eintreffen von Deportationstransporten aus Deutschland binnen weniger Monate hoffnungslos überfüllt und vollständig unterversorgt war. Die Besatzer reagierten darauf mit Massenmord und töteten im November und Dezember 1941 insgesamt etwa 27 500 Ghettobewohner. Die Überlebenden wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt.
Kurt Abraham Salnik überstand zweieinhalb Jahre lang diese furchtbaren Bedingungen. Am 9. August 1944 wurde er in das vollkommen überfüllte Konzentrationslager Stutthof verschleppt, in dem die SS kranke und geschwächte Häftlinge systematisch ermordete. Kurt Abraham Salnik überlebte die Haft nicht. Das genaue Datum wie die Umstände seines Todes sind bislang unbekannt.
1894 Riga
1944 Stutthof (Konzentrationslager)