Karl Rankl wurde am 1. Oktober 1898 in Gaaden bei Wien geboren. Von 1916 bis 1918 nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und studierte anschließend Komposition bei Arnold Schönberg und Anton Webern. Von 1922 bis 1925 wirkte er als Korrepetitor und Chordirektor an der Wiener Volksoper, wo er ab 1924 auch als Dirigent in Erscheinung trat. Nach Stationen als Kapellmeister in Reichenberg und Königsberg wurde Rankl 1928 als Chordirektor und Assistent Otto Klemperers an die Krolloper verpflichtet, zu deren Ensemble er bis zu Schließung des Hauses 1931 gehörte. Zudem engagierte er sich in der Berliner Arbeitermusikbewegung.
Nach seiner Entlassung in Berlin wirkte der Musiker für eine Spielzeit als Kapellmeister am Preußischen Staatstheater in Wiesbaden. Als seine für 1932 geplante Anstellung an der Städtischen Oper in Berlin wegen seiner Nähe zur Arbeitermusik und zur KPD scheiterte, übernahm er Gastdirigate unter anderem in Moskau und Leningrad.
Kurz nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 verließen Rankl und seine Ehefrau, die aus einer jüdischen Familie stammende Adele Rankl, geb. Jeohda, im Februar Deutschland und flohen zu Freunden nach Reichenberg in der damaligen Tschechoslowakei. Im Sommer 1933 ging das Paar nach Graz, wo Karl Rankl bis 1937 als Kapellmeister und Operndirektor der Städtischen Bühnen wirkte. Anschließend wechselte er für eine Spielzeit an das Deutsche Theater in Prag.
Als sich im September 1938 die Annexion tschechischer Gebiete durch Deutschland abzeichnete, flohen Rankl und seine Ehefrau in die Schweiz, mussten jedoch in Ermangelung eines Visums für die geplante Ausreise in die USA bereits nach wenigen Wochen in die Tschechoslowakei zurückkehren. Erst im August 1939, die Tschechoslowakei war mittlerweile zum Satellitenstaat des Deutschen Reichs geworden, gelang die Flucht nach England. Doch als deutscher Staatsbürger galt der Dirigent den britischen Behörden als „feindlicher Ausländer“ und wurde daher im Jahr 1940 für einige Monate auf der Isle of Man interniert.
Die Strapazen der Flucht und die wirtschaftliche Unsicherheit hatten Rankls Gesundheit schwer beeinträchtigt, so dass er für Monate ans Bett gefesselt war. Erst nach Kriegsende gelang es ihm, seine Karriere fortsetzen: 1946 wurde er Musical Director des Royal Opera House in Covent Garden, ab 1952 leitete er das Scottish National Orchestra und war von 1958 bis 1960 musikalischer Leiter der Elizabethean Trust Opera Company in Sydney. Am 6. September 1968 ist Karl Rankl in Salzburg gestorben.
101 Moskau
1968 Salzburg