Karl Alwin wurde 1891 als Karl Oskar Pinkus in Königsberg geboren. Seine musikalische Ausbildung erfolgte in Berlin bei Engelbert Humperdinck und Hugo Kaun. 1910 wurde er als Korrepetitor an die Berliner Hofoper berufen, das damalige Stammhaus des Bayreuther Festspieldirigenten Karl Muck. Dieser vermittelte Karl Alwin als musikalischen Assistenten zu den Festspielen des Jahres 1912. Es folgten Stationen als Kapellmeister an den Stadttheatern von Halle und Posen und ab 1915 von Düsseldorf. 1917 wechselte er an das Hamburger Stadttheater. 1920 wurde Karl Alwin an die Wiener Hofoper engagiert, zu deren Ensemble auch seine damalige Frau, die Sopranistin Elisabeth Schumann, gehörte. Hier wirkte er gleichzeitig als Pädagoge an der Hochschule für Musik, ab 1924 als Professor. In seiner Wiener Zeit hatte er sich insbesondere als Mozart-Dirigent einen Namen gemacht, gerühmt für die Zartheit, Feinheit und zwingende Aussagekraft seiner Interpretation. So wurde er zu einem auch international gefragten Dirigenten und gab Gastspiele in London, Paris, Madrid und Barcelona.
18 Jahre lang blieb Karl Alwin eine feste Größe an der Wiener Staatsoper, wo er unter anderem mit Richard Strauss zusammenarbeitete. Die Annexion Österreichs beendete seine Karriere: Die Direktion der Staatsoper enthob Karl Alwin aufgrund seiner jüdischen Herkunft im März 1938 seines Postens. Am 11. März 1938, einen Tag vor dem Einmarsch deutscher Truppen, hatte er mit Eugen Onegin seinen letzten Auftritt in Wien. Zum 1. September 1938 wurde er schließlich zwangspensioniert. Da ihm der Weg zurück nach Deutschland bereits seit 1933 versperrt war, entschloss sich Alwin zur Flucht in die USA. Die Sängerin Lotte Lehmann, die ihn den „letzten Dirigenten des freien Österreichs“ nannte, unterstützte ihn nach seiner Ankunft in New York. Alwin begleitete zuerst den Tenor Jan Kiepura auf eine Amerikatournee und fand 1939 eine Anstellung als Dirigent an der Chicago Civic Opera. Nach mehreren Gastspielreisen nach Südamerika blieb er 1941 in Mexiko-Stadt, wo er Dirigent an der Opera Nacional wurde. Dort starb Karl Alwin am 15. Oktober 1945.
1891 Kaliningrad (Königsberg)
1941 Mexiko-City