Der am 19. August 1863 im lettischen Bauske geborene Julius Michelson arbeitete als „Facharzt für Chirurgie und Frauenkrankheiten“ und führte eine eigene Privatklinik in der Klosterallee im Hamburger Stadtteil Harvestehude, wo er auch mit seiner Frau Dorothea und den drei gemeinsamen Kindern lebte.
Neben seiner Tätigkeit als Arzt publizierte er zu medizinischen und philosophiegeschichtlichen Themen in verschiedenen Hamburger Zeitungen und Zeitschriften. Zu Beginn der 1930er Jahre veröffentlichte er auch Artikel zur „Rassenfrage“, in denen er unter Berufung auf zeitgenössische Forschungsliteratur dem rassistischen und antisemitischen Menschenbild der Nationalsozialisten eine Absage erteilte – ein Engagement, auf das spätere Nazi-Autoren mit wütenden Angriffen in nationalsozialistischen Publikationen antworteten.
Schon lange vor dem Ersten Weltkrieg hatte Julius Michelsohn auch als Theaterarzt für das Hamburger Stadttheater gearbeitet. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er im Frühjahr 1933 entlassen und floh kurz darauf mit seiner Ehefrau in die kleine Gemeinde Montagnac-sur-Auvignon in Südfrankreich. Er überlebte die deutsche Besatzung und starb am 6. Januar 1949. Seine jüngste Tochter, die Pianistin Nina Margarethe Michelson, war 1934 nach Amsterdam geflüchtet, dort aber nach der deutschen Besetzung der Niederlande verhaftet worden. Zunächst im Lager Westerbork interniert, wurde sie im September 1942 in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.
1863 Bauske