Der Schauspieler Hugo Kohn, Künstlername Hugo Kessler, wurde am 18. August 1880 im oberbayrischen Rosenheim geboren. Nach seinem Debüt 1898 am Stadttheater Bromberg spielte er zunächst an zahlreichen kleinen Bühnen, bevor er 1912 ans Hamburger Schauspielhaus kam. Ab 1915 als Soldat im Ersten Weltkrieg, arbeitete er nach seiner Rückkehr 1918 am Stadttheater Harburg, ging 1921 nach Berlin und spielte dort 1923-1924 im Theater am Kurfürstendamm.
Im September 1924 wurde Kessler schließlich ans Hessische Landestheater Darmstadt engagiert, in dessen Ensemble er bald zu den wichtigsten Schauspielern zählte. Die Gunst von Kritikern und Publikum gewann er hier vor allem durch zahlreiche Einsätze in tragenden Nebenrollen, etwa in Gogols Der Revisor, Bruckners Die Verbrecher, Schillers Wilhelm Tell, Goethes Egmont sowie in Shakespeare-Aufführungen. Gelegentlich war er auch in Hauptrollen zu sehen, etwa 1929 als Peachum in der Dreigroschenoper.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten beendete seine Karriere abrupt, denn Hugo Kessler war Jude. Am 31. März 1933 wurde er beurlaubt, im April jedoch wieder in einigen Rollen eingesetzt. Am 25. Juli 1933 erhielt er schließlich seine endgültige Kündigung. Kessler blieb zunächst in Darmstadt, wo er in einer Wohnung in der Herrngartenstraße wohnte. Am 11./12. November 1938, kurz nach der Pogromnacht, wurde er im Zuge der reichsweiten Verhaftungswelle als so genannter Aktionsjude in das KZ Buchenwald deportiert, nach vier Wochen aber wieder entlassen.
Um weiterer Verfolgung zu entgehen, floh er zu Beginn des Jahres 1939 in die Niederlande, wobei er seinen gesamten Besitz in Darmstadt zurücklassen musste. Damit begann für Hugo Kessler eine Odyssee durch verschiedene holländische Flüchtlingslager, bis er zunächst in Amsterdam Unterkunft fand. Er versuchte, von dort die Ausreise zu seinem Bruder nach Peru zu erwirken, was jedoch durch die deutsche Besetzung der Niederlande im Mai 1940 vereitelt wurde. Am 10. Mai 1940 verschleppten ihn die Besatzer in das ehemalige Flüchtlingslager Westerbork, das nunmehr als zentrales Internierungslager für holländische Juden und jüdische Flüchtlinge diente. Nach zwei Jahren Haft wurde er im Juli 1942 freigelassen und lebte in der folgenden Zeit in einem der Amsterdamer Viertel, in dem die deutschen Besatzer den Großteil der holländischen Juden ghettoisiert hatten.
Am 8. April 1943 wurde Kessler dann erneut in Westerbork inhaftiert, das mittlerweile als Polizeiliches Judendurchgangslager zum zentralen Sammelpunkt für die Deportation der in Holland lebenden Juden geworden war. Seit Juli 1942 verließen ein- bis zweimal pro Woche Güterzüge das Lager, die den größten Teil der Insassen nach Auschwitz und in das Vernichtungslager Sobibor transportierten. Mit einem dieser Züge wurde auch Hugo Kessler zusammen mit 1186 Menschen am 4. Mai 1943 nach Sobibor deportiert. Nach einer dreitägigen Fahrt im qualvoll engen Güterwaggon kamen die Häftlinge sofort nach der Ankunft in die Gaskammern. Da für diese Massentötungen kaum Aufzeichnungen überliefert sind, wurde Hugo Kesslers Tod nachträglich auf den 7. Mai 1943 datiert.
1880 Rosenheim
1943 Sobibor (Vernichtungslager)