Hermann Wucherpfennig, der ein Studium der Philologie mit der Promotion abgeschlossen hatte, erhielt seine Ausbildung zum Sänger bei Rudolf von Milde in Dessau und Vittorino Moratti in Berlin. Der Bass erhielt sein erstes Engagement 1905 am Hoftheater von Dessau und wechselte 1909 ans Stadttheater Nürnberg. Nach Stationen in Düsseldorf und Charlottenburg war er von 1922 bis 1931 am Landestheater Karlsruhe engagiert. Dort wirkte Wucherpfennig 1926 auch in der Uraufführung von Siegfried Wagners Der Friedensengel mit. Zu seinen Paraderollen gehörten Daland in Der Fliegende Holländer, Pogner in Die Meistersinger von Nürnberg und der Landgraf im Tannhäuser. Neben seinen festen Engagements unternahm er Gastspielreisen durch Europa und Südamerika. Er war von 1908 bis 1911 Mitglied des Bayreuther Festspielchors und sang 1911 außerdem die Solopartie des Nachtwächters in Die Meistersinger von Nürnberg. Nach seinem Bühnenabschied wurde Hermann Wucherpfennig Dozent an der Akademie des Badischen Landestheaters in Karlsruhe und leitete neben dieser Tätigkeit gemeinsam mit seiner Frau eine Gesangsschule. Seit 1912 war er mit Irma Raven verheiratet, einer Sopranistin, die auch unter dem Namen Irma Rappaport auftrat.
Durch die Vermittlung von Klaus Pringsheim erhielt Wucherpfennig 1932 einen Ruf an die Kaiserliche Musikakademie nach Tokio. Seine Frau, die Jüdin war, begleitete ihn.
Nach den Gesetzen des Dritten Reichs galt Wucherpfennig als „jüdisch versippt“. Deshalb verlor er zum 1. April 1943 seine Anstellung an der Akademie in Tokio: In einem Dokument der deutschen Botschaft wurde er als „Musiker, an dessen Berufsausübung die deutsche Botschaft kein Interesse hat“, eingestuft. Auch seine Frau verlor ihre Professur für Musik.
Nach Kriegsende wurde Wucherpfennig wieder an der Akademie angestellt und setzte seine Tätigkeit in Tokio fort, bis er 1953 gemeinsam mit seiner Frau nach Karlsruhe zurückkehrte. Hier starb Hermann Wucherpfennig am 29. August 1969.
1884 Mühlhausen (Thüringen)
1969 Karlsruhe