Geboren in Köln am 22. September 1892, studierte Herbert Janssen zunächst Rechtswissenschaft und nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil. Anschließend ließ er sich von dem prominenten Gesangspädagogen Oskar Daniel in Berlin zum Sänger ausbilden und debütierte am 5. Mai 1922 in einer Aufführung von Franz Schrekers Der Schatzgräber an der Berliner Staatsoper. Janssen gehörte bis 1938 zum Ensemble der Staatsoper und wuchs in dieser Zeit zum internationalen Opernstar heran: Seit Mitte der 1920er Jahre trat er an allen großen Bühnen Europas auf, gastierte aber auch außerhalb Europas, etwa in Buenos Aires. Im Zentrum seines umfangreichen Repertoires standen die lyrischen Partien, erst von Verdi, später von Wagner. Seit 1930 gehörte er daher auch zu den wiederkehrenden Stars der Bayreuther Festspiele.
Die nationalsozialistische Machtübernahme blieb für Herbert Janssen zunächst folgenlos. Allerdings stand er bald unter Verdacht der Homosexualität – zu jener Zeit ein Verbrechen, das mit schwersten Strafen belegt war und ihn ins Visier der Geheimen Staatspolizei geraten ließ. Zwar trat Janssen noch im März 1937 der NSDAP bei, jedoch entschloss er sich wenig später zur Flucht. Er ging zunächst an die Wiener Staatsoper und emigrierte nach der Annexion Österreichs im März 1938 nach England. Zugleich erlosch seine NSDAP-Mitgliedschaft.
Im Verlauf des Jahres 1938 verließ Herbert Janssen England und ging in die USA. Dort debütierte er am Opernhaus in Philadelphia als Wanderer in Siegfried und trat am 29. Januar 1939 erstmals an der Metropolitan Opera in New York auf. Er blieb bis 1952 Teil des Ensembles und trat dort in 14 Rollen und 152 Aufführungen auf, bevor er sich von der Bühne zurückzog und als Gesangslehrer arbeitete.
Bis heute gilt der Sänger als einer der „bedeutendsten Vertreter des Baritonfachs der Zwischenkriegszeit“. Am 3. Juni 1965 ist Herbert Janssen in New York gestorben.
1892 Köln
1965 New York