Die gebürtige Berlinerin debütierte 1909 am Stadttheater in Plauen. Zum 1. September 1912 wurde Henriette Gottlieb an die Städtische Oper in Berlin-Charlottenburg engagiert, der sie bis zu ihrer Entlassung 1933 angehörte. Das Berliner Publikum erlebte sie unter anderem 1912 als Rezia in Carl Maria von Webers Oberon, 1915 als Königin in Heinrich Marschners Hans Heiling und 1918 als Rachel in Halévys La Juive. Gottlieb, die nach ihrer Heirat mit dem Kaufmann Carl Huth teilweise unter dem Namen Gottlieb-Huth auftrat, wurde auch als Wagner-Interpretin geschätzt. Von 1927 bis 1930 trat sie bei den Bayreuther Festspielen auf. 1930 wirkte sie außerdem bei einem Gastspiel in Paris in Die Walküre mit und sang bei anschließenden Schallplattenaufnahmen die Partie der Brünnhilde.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 beendete ihre Karriere abrupt: Nach 21 Jahren im Ensemble der Städtischen Oper Charlottenburg erhielt sie am 30. Mai 1933 unter Berufung auf das kurz zuvor erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ihre Kündigung – Henriette Gottlieb war Jüdin. Ihr Versuch, gegen die Entlassung juristisch vorzugehen, scheiterte und mündete in einem zermürbenden Rechtsstreit um die Auszahlung der Rente. Es gelang ihr weder an anderen deutschen Opernhäusern noch beim Jüdischen Kulturbund in Berlin, ein Engagement zu erhalten. Da auch Carl Huth als Jude ohne Arbeit war, verlor das Ehepaar seine Existenzgrundlage. Nachdem sie sich mit der Bitte um Unterstützung immer wieder an ihre frühere Wirkungsstätte gewandt hatte, gewährte diese ihr im März 1935 – fast zwei Jahre nach ihrer Entlassung – eine reduzierte Rente.
Unter welchen Umständen das Ehepaar Gottlieb in den folgenden Jahren lebte, ist unbekannt. Erst mit den beginnenden Deportationen der Berliner Juden 1941 tauchen ihre Namen wieder auf: Bereits mit dem zweiten Transport aus Berlin wurden sie zusammen mit etwa 1000 anderen Juden am 24. Oktober 1941 in das Ghetto Łódź verschleppt. Dort starb Henriette Gottlieb am 2. Januar 1942 an den Haftbedingungen, ihr Ehemann Carl Huth wenige Monate später, am 3. Mai 1942.
1884 Berlin
1942 Lodz/Litzmannstadt (Ghetto)