Heinrich Schachtebeck wurde am 6. August 1887 im niedersächsischen Diemarden bei Göttingen als Sohn eines Landwirts geboren. Bereits während seiner Schulzeit erhielt er privaten Klavier-, Orgel-, Violin- und Theorieunterricht. Seine Karriere begann er als Orchestermitglied in der Stadtkapelle in Göttingen. Ab 1905 studierte er am Leipziger Konservatorium bei Arno Hilf, Karl Heynsen und Walter Hansmann, ab 1908 war er Mitglied des Leipziger Gewandhausorchesters. Ein Jahr später wurde er 1. Konzertmeister im Städtischen Theaterorchester und wirkte in der gleichen Position ab 1911 im Philharmonischen Orchester der Stadt. Neben diesen Engagements trat Schachtebeck vielfach auch als Solist auf. 1915 verließ er das Orchester und begründete ein erfolgreiches Streichquartett, mit dem er Tourneen durch ganz Europa unternahm. Mitglied dieses Ensembles war auch seine Ehefrau, die in Odessa geborene Augusta Schachtebeck-Sorocker. Schachtebeck nahm am Ersten Weltkrieg teil, seine Karriere in der Nachkriegszeit ist unbekannt. 1929 wurde er Dozent für Violinspiel am Leipziger Institut für Lehrerbildung, 1932 erhielt er den Professorentitel. Im selben Jahr nahm er die Stelle des 1. Konzertmeisters im Altenburger Landestheater an. Heinrich Schachtebeck, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg dreimal zu den Bayreuther Festspielen eingeladen worden war, wirkte auch von 1931 bis 1934 im Festspielorchester mit.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Ehepaar Opfer der Verfolgung: Augusta Schachtebeck-Sorocker galt als „Halbjüdin“. Heinrich Schachtebeck verlor deshalb 1936 seine Stellung am Leipziger Institut, konnte aber in Altenburg mit jederzeit widerrufbaren „Sondergenehmigungen“ bis 1944 weiterarbeiten. Die Ehe mit einem nicht-jüdischen Mann bot seiner Frau einen gewissen Schutz und bewahrte sie vor der Deportation. 1944 aber erlag sie den Folgen einer Krankheit. Heinrich Schachtebeck überlebte den Krieg und wurde 1945 kommissarischer Leiter und später Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik in Leipzig. Er begründete das dortige Sinfonieorchester und wirkte als Lehrbeauftragter für Instrumentalmusik an der Leipziger Universität. Am 12. März 1965 verstarb Heinrich Schachtebeck in Leipzig.
1887 Diemarden
1965 Leipzig