Die Mezzosopranistin wurde am 21. Januar 1894 in München geboren, ließ sich in ihrer Heimatstadt zur Sängerin ausbilden und debütierte 1925 am Stadttheater Würzburg. Von dort ging sie 1929 nach Gera und nach Erfurt. Im August 1933, nach der Entlassung der meisten jüdischen Ensemblemitglieder, engagierte sie Intendant Heinrich Strohm an das Hamburger Stadttheater – er kannte und schätzte die vielseitige Sängerin aus ihrer Zeit an der Würzburger Oper, die er selbst von 1926 bis 1927 geleitet hatte.
Doch Hedy Gura galt wegen ihres jüdischen Vaters als „Halbjüdin“, ihr Engagement war deshalb von Beginn an gefährdet. Bis 1937 konnte sie nur mit einer alljährlich zu verlängernden „Sondergenehmigung“ der Reichskulturkammer auftreten. Ursächlich für diese Form des prekären Schutzes dürften zwei Aspekte gewesen sein: Zum einen war ihr Sohn bereits 1931 der Hitlerjugend und 1932 der SS beigetreten, zum anderen wurde sie durch den Intendanten Strohm wie durch die Hamburger NS-Elite – darunter Gauleiter Karl Kaufmann – protegiert. Dank dieser Protektion erhielt Gura 1937 eine unbefristete Ausnahmegenehmigung, die ihr den Verbleib am Hamburger Stadttheater ermöglichte. Anderen Mitgliedern ihrer Familie blieb dieser Schutz verwehrt: Ihre Schwester, so gab sie nach dem Krieg an, überlebte eine dreijährige KZ-Haft, ihr Bruder wurde im Konzentrationslager ermordet.
Hedy Gura gelang es offenbar, diese extreme Spannung auszuhalten. Die Sängerin avancierte zu einem Publikumsliebling und trat bis zu ihrem Abschied von der Hamburger Bühne im Jahr 1954 in über 3000 Vorstellungen auf. Anschließend arbeitete sie als Gesangslehrerin. Am 18. März 1967 ist Hedy Gura in Hamburg gestorben.
1894 München
1967 Hamburg