Der gebürtige Berliner wurde nach dem Abitur zunächst Soldat im Ersten Weltkrieg. Seine Karriere als Künstler begann er deshalb erst nach Kriegsende: 1920 war er Geiger bei der UFA, 1922 spielte er in einer Hotelkapelle auf Rügen und ab Herbst des Jahres im Orchester der Großen Volksoper in Berlin. Im Juni 1924 gelang ihm der Aufstieg in das Orchester der Staatsoper und damit in den Status eines Beamten. Als 1931 die zur Staatsoper gehörende Krolloper geschlossen wurde, änderte sich seine berufliche Situation erneut: Zwar konnte er als Beamter nicht entlassen, wohl aber pensioniert werden. Mit einer Minimalrente wurde der 35-Jährige in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Nachdem die NSDAP im März 1933 die Macht übernommen und im April mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die Grundlage für die Vertreibung der Juden aus dem öffentlichen Dienst geschaffen hatte, setzten an der Staatsoper die „Säuberungen“ ein. Venus war darüber offenbar gut informiert, denn er versuchte sofort, von der am 1. Juni 1933 erfolgten Entlassungswelle zu profitieren. Am 15. Juni bewarb er sich beim Generalintendanten der Preußischen Staatstheater, Heinz Tietjen: „Nach Durchführung des Beamtengesetzes wird im Orchester der Berliner Staatskapelle eine Geigerstelle frei. […] [Daher] bitte ich, mich bei der Neubesetzung dieser Stelle zu berücksichtigen.“
Seine Antwort erbat er nach Bayreuth, wohin ihn Tietjen eingeladen hatte und wo er im Sommer erstmalig als Geiger im Festspielorchester wirkte. Anstelle der erhofften Wiedereinstellung in Berlin wurde allerdings die Pensionierung im Januar 1934 bestätigt: Wegen seiner jüdischen Großmutter galt er als „Vierteljude“ und war deshalb für den Staatsdienst „untragbar“. Im August 1935 erfolgte dann der Ausschluss aus der Zwangsgenossenschaft der „Reichstheaterkammer“. Damit war ihm jede künstlerische Arbeitsmöglichkeit verwehrt. Wieder half Tietjen: Als im selben Monat eine Stelle als Geiger an der Oper in Kassel frei wurde, versetzte er als oberster Dienstherr der Staatstheater Venus kurzerhand dorthin. Mithilfe seiner guten Kontakte zum preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring sorgte Tietjen auch dafür, dass die jährlich erfolgenden Überprüfungen für Venus folgenlos blieben: Immer wieder ordnete er an, dass der „Mischling 2. Grades“ aufgrund einer „Sondergenehmigung“ im Dienst zu belassen sei und holte Venus in den folgenden Jahren auch wieder nach Bayreuth. So konnte dieser in Kassel seinem Beruf in einem renommierten staatlichen Orchester nachgehen. Er blieb jedoch unter ständiger Beobachtung und war auf Tietjens fortdauernde Protektion angewiesen.
Im Oktober 1939 wurde Venus zur Wehrmacht abkommandiert, wenige Monate später aber wieder als Geiger in Kassel eingesetzt. Als er gegen Kriegsende erneut eingezogen wurde, geriet er in französische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1945 gehörte Hans Venus bis zu seiner Pensionierung 1962 wieder dem Kasseler Orchester an. Sein weiterer Lebensweg ist unbekannt.
1897 Berlin