Am 30. März 1895 als Sohn des Opernsängers Maximilian Grahl und seiner Ehefrau Margarethe, geb. Friedrich, in Braunschweig geboren, absolvierte Hans Grahl zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich im August 1914 freiwillig zum Militär und blieb bis zum Kriegsende im November 1918 Soldat. Nach seiner Rückkehr studierte er Gesang am Dresdner Konservatorium und debütierte am Städtischen Theater in Leipzig. Von dort wechselte der Sänger 1922 an das Nationaltheater in Weimar, zu dessen Ensemble er bis August 1928 gehörte. Anschließend ging er an das Hessische Landestheater in Darmstadt und gastierte mehrfach am Hamburger Stadttheater. Vor allem seine Auftritte als Loge und Siegmund in Richard Wagners Ring-Tetralogie und seine Interpretation des Don José in Georges Bizets Carmen – an der Seite von Sabine Kalter – wurden von der Hamburger Presse gelobt. 1930 erfolgte dann seine Verpflichtung an das Stadttheater der Hansestadt, dem er bis 1937 angehörte. 1929 hatte er die aus dem thüringischen Waltershausen stammende Cläre Falke geheiratet.
Hans Grahl avancierte schnell zu einem der Stars des Ensembles und sang in Hamburg eine Vielzahl von Partien: Neben den großen Wagner-Rollen trat er etwa als Pedro in d’Alberts Tiefland, als Florestan in Beethovens Fidelio, als Max in Carl Maria von Webers Der Freischütz und als Radames in Giuseppe Verdis Aida auf. „Der Beifall für die Hauptrollenträger wuchs zu nicht enden wollenden Ovationen an, von denen wiederum der größte Teil Hans Grahl zugedacht war, wie sich aus immer wiederholten ‚Grahl‘ und ‚Bravo‘-Rufen ergab“, schrieb die Presse im Februar 1932 anlässlich seines Auftritts als Matthias in Wilhelm Kienzls Der Evangelimann. Daneben absolvierte er internationale Gastspiele an der Pariser Opéra Comique, der Wiener Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen, außerdem in Antwerpen, Brüssel, Barcelona und Monte Carlo. 1935 wurde ihm der Titel „Kammersänger“ verliehen.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 hatte für Hans Grahl zunächst keine Auswirkungen. Als jedoch die Gestapo im Januar 1937 gegen einen Schauspieler wegen des Verdachts auf Homosexualität ermittelte, fiel dort auch Grahls Name. Der Sänger wurde daraufhin verhaftet und wegen Verstoßes gegen §175 zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Fürsprache unter anderem durch den Hamburger Intendanten Strohm kam er vorzeitig frei. Er ging zunächst ans Deutsche Theater in Prag und 1939 an die Breslauer Oper, außerdem sang er bis 1941 bei den Festspielen in Zoppot.
Nach Kriegsende wirkte Grahl in Berlin als Gesangspädagoge und trat 1946 und 1947 an der Berliner Staatsoper auf. Am 31. August 1966 ist Hans Grahl in Berlin gestorben.
1895 Braunschweig
1966 Berlin