Am 23. März 1895 in Wien geboren, studierte Fritzi Jokl bei der Musikpädagogin Hedwig Kanner-Rosenthal, der Ehefrau des Klaviervirtuosen Moritz Rosenthal. Sie begann ihre Karriere 1917 als Sopranistin am Frankfurter Opernhaus, bevor sie 1923 für eine Spielzeit an das Hessische Landestheater Darmstadt wechselte. Anschließend ging sie 1923 an die Berliner Volksoper und nach deren Schließung 1925 an das Kölner Opernhaus. 1926 erhielt sie ein Engagement als erste Sopranistin der Münchner Staatsoper, der sie bis 1932 angehörte. Gastspiele führten sie außerdem zu den Salzburger Festspielen, wo sie 1928 in Così fan tutte die Despina sang, an die Londoner Covent Garden Opera, die Wiener Staatsoper sowie nach Amsterdam.
Das Repertoire der Sängerin umfasste unter anderem die Koloratur-Partien wie den Urbain in Giacomo Meyerbeers Die Hugenotten, Oscar in Verdis Ein Maskenball, Konstanze und das Blondchen in Mozarts Entführung aus dem Serail sowie die Norina in Gaetano Donizettis Don Pasquale und die Violetta in Verdis La Taviata.
Als ein geplanter Wechsel an die Kroll-Oper in Berlin wegen deren Schließung platzte, kehrte Fritzi Jokl 1932 an das Landestheater Darmstadt zurück und musste hier erleben, wie die nationalsozialistische Machtübernahme ihre Karriere zerstörte. Wegen ihrer jüdischen Herkunft im Frühjahr 1933 entlassen, engagierte sie sich zunächst im Jüdischen Kulturbund, zu dessen unbestrittenen Stars sie gehörte. Bei den Aufführungen der Berliner Kulturbund-Sektion sang sie neben anderem die Micaela in Bizets Carmen, die Susanna in Mozarts Die Hochzeit des Figaro und die Olympia in Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach.
Im Mai 1936 verließ Fritzi Jokl Deutschland und floh über Österreich zunächst ins kanadische Montreal. Von dort aus emigrierte sie am 23. Juni 1937 über den Grenzübergang Rouses Point in die USA und ließ sich anschließend in New York nieder. Dort heiratete sie 1942 in zweiter Ehe den Journalisten Jack Siegel.
Im Exil gelang es der Sängerin nicht mehr, an ihre künstlerischen Erfolge anzuknüpfen. Sie beendete ihre Karriere und trat nur noch gelegentlich bei Konzerten von Emigranten-Organisationen wie bei Veranstaltungen der jüdischen Gemeinde auf. Am 15. Oktober 1974 ist Fritzi Jokl in New York gestorben.
1895 Wien
1974 New York