Friedrich Schorr wurde am 2. September 1888 im ungarischen Nagyvarád geboren, das damals noch zur Habsburger Doppelmonarchie gehörte. Seine Jugend verbrachte er in Wien, wo sein Vater Kantor der Großen Synagoge war. 1912 debütiert Schorr als Wotan in Graz, von 1916 bis 1918 war er am Deutschen Theater in Prag engagiert. 1918 auf Betreiben Otto Klemperers zunächst in Köln, wechselte Schorr 1923 an die Berliner Staatsoper und begann zudem eine regelmäßige Gastspieltätigkeit an der Metropolitan Opera in New York und der Londoner Covent Garden Opera. Von 1925 bis 1931 erlebte ihn das Publikum der Bayreuther Festspiele als Wotan, wobei seine jüdische Herkunft bereits damals für Ablehnung sorgte: Hitler selbst hatte, wie Winifred Wagner sich später erinnerte, 1927 seinen Besuch der Festspiele abgesagt, da es ihm als unerträglich erschien, „daß ausgerechnet ein Vertreter der Rasse, die uns rassisch, politisch, moralisch, künstlerisch zugrunde richtet, hier den Wotan singt“.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 trat Schorr nicht mehr in Deutschland auf, sondern ging an das Deutsche Theater in Prag und an die Staatsoper in Wien, die Fluchtorte vieler vertriebener jüdischer Künstler. Doch die Annexion Österreichs machte auch dies unmöglich und so floh der Sänger 1938 in die USA. Aus den vergifteten Kritiken hatte er schon früh herauslesen können, was ihm bevorstand. Die Zeitschrift für Musik hatte im Juni 1933 bemerkt: „Ein neues Gastspiel Friedrich Schorrs zeigt ihn auch in der Rolle des Hans Sachs als den gewandten Vortragskünstler, der durch pointierte Aussprache und ein allerdings schon fast zur Manier werdendes gepflegtes Piano wirkt. Neben einer so natürlich echten und poetischen Evchengestalt, wie sie Lotte Lehmann verkörpert, befremdet das übertrieben Künstliche seiner Art.“
Im Exil feierte er triumphale Erfolge an der New Yorker Metropolitan Opera mit 356 Aufführungen in 18 Rollen, darunter Jochanaan, Orest, Pizarro, Gunther, Telramund, Amfortas, Wotan und Hans Sachs. 1943 nahm er seinen Abschied von der Bühne und wurde Direktor der Manhattan School of Music. Am 14. August 1953 ist Friedrich Schorr in Farmington, Connecticut gestorben.
1888 Nagyvarád
1953 Farmington, Connecticut