Am 18. April 1888 in Berlin geboren, absolvierte Frida Leider zunächst eine Ausbildung zur Bankangestellten und nahm daneben private Gesangsstunden. 1915 debütierte sie am Stadttheater Halle als Venus in Tannhäuser und nahm dann Engagements in Rostock und Königsberg an. Ab 1919 trat sie am Hamburger Stadttheater auf und erregte erstmals Aufsehen mit den großen Wagner-Partien. 1924 wechselte sie an die Berliner Staatsoper. Sie wirkte bei der Uraufführung von Ernst Kreneks Oper Die Zwingburg mit und feierte Triumphe etwa als Brünnhilde im Ring der Nibelungen, als Kundry im Parsifal und als Isolde in Tristan und Isolde. In Rollen wie Leonore, Amelia und Aida erwies sie sich auch als große Interpretin Verdis.
Seit 1928 trat sie bei den Bayreuther Festspielen auf. Auch international galt sie mittlerweile als Star: 1924 und 1925 gastierte sie an der Waldoper Zoppot, von 1924 bis 1938 jährlich an der Covent Garden Opera London. Ab 1928 folgten zahlreiche Gastspiele an der Oper von Chicago, der Grand Opéra Paris, am Teatro Colón in Buenos Aires und 1933 bis 1934 an der Metropolitan Opera in New York.
Das Jahr 1933 veränderte das Leben Frida Leiders: Bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte es Gerüchte über eine angebliche jüdische Herkunft der Sängerin gegeben. 1935 bestätigte der beim Propagandaministerium für „Judenfragen“ zuständige Staatsrat Hans Hinkel auf Nachfrage eines „Parteigenossen“, dass Leider Jüdin sei. Mit Blick auf ihren internationalen Ruf bat er aber darum, bei öffentlichen Störaktionen Zurückhaltung zu üben, denn: „Man kann ja später in der Presse angreifen.“ Als sich schließlich herausstellte, dass Frida Leider keine Jüdin war, und zusätzlich Winifred Wagner „im Interesse der Bayreuther Festspiele“ intervenierte, wurde sie plötzlich wegen ihres Ehemanns angefeindet. Hinkel konstatierte, „dass sie mit dem jüdischen Geiger Demann [sic!] verheiratet ist“. Tatsächlich war Rudolf Deman, der ehemalige Konzertmeister der Berliner Staatsoper, Jude und Frida Leider galt damit als „jüdisch versippt“. Der Generalintendant der preußischen Staatstheater, Heinz Tietjen, beruhigte die Sängerin zwar, aber da sie die Scheidung von ihrem Mann ablehnte, suchte er seit 1934 nach Ersatz. Als der gefunden war, konnte er am 4. Juni 1937 Hans Hinkel „das vorzeitige Ausscheiden von Frau Leider in absehbarer Zeit“ melden.
Nachdem ihr Mann durch die Annexion Österreichs im März 1938 seine Staatsangehörigkeit verloren hatte und in die Schweiz geflüchtet war, begann das Ende ihrer Karriere: Der bis 1940 gültige Vertrag wurde in einen Gastspielvertrag umgewandelt. Auch für Bayreuth war sie jetzt tabu. Seit 1940 trat sie in eigenen Programmen als Liedsängerin auf, ab 1942 gehörte sie nicht mehr zum Ensemble der Berliner Staatsoper. Nach dem Krieg leitete sie das Gesangsstudio der Ost-Berliner Staatsoper und arbeitete als Regisseurin. Gleichzeitig unterrichtete sie bis 1958 an der West-Berliner Musikhochschule. Am 4. Juni 1975 ist Frida Leider in Berlin gestorben
1888 Berlin
1975 Berlin