Ferdinand Mehl erhielt 1908 bis 1913 seine Ausbildung zum Tenor am Stuttgarter Konservatorium. Danach war er am Stadttheater in Ulm engagiert. Im März 1915 wurde er als Soldat eingezogen, weshalb er seine Karriere erst nach Kriegsende fortsetzen konnte. Es folgten Engagements an verschiedenen Häusern. Von 1921 bis 1924 war er am Schauspielhaus seiner Heimatstadt Stuttgart tätig. Dort sang er auch kleinere Solopartien. Ab 1928 war er am Dortmunder Stadttheater engagiert, wo man mit seiner stimmlichen und darstellerischen Leistung sehr zufrieden war. Ab dem Jahr 1931 scheint Ferdinand Mehl keine feste Anstellung mehr gefunden zu haben. 1930 und 1931 war er als Chorsänger zu den Bayreuther Festspielen eingeladen. Chordirektor Hugo Rüdel bescheinigte seinem 1. Tenor eine gute Stimme und „ausserordentlichen Fleiss und Hingabe an die Sache“.
1933 veränderte sich die Lebenssituation für Ferdinand Mehl grundlegend. Zwar hatte er noch ein kurzfristiges Engagement an der Württembergischen Volksbühne in Stuttgart erhalten, als Mitglied der KPD aber gehörte er für die neuen Machthaber zum Kreis „politisch untragbarer“ Personen. Eine weitere Berufsausübung war damit so gut wie ausgeschlossen.1936 wandte sich der Sänger mit einer Bitte um finanzielle Unterstützung an Eugen Klöpfer, den Vorsitzenden der sogenannten Spende Künstlerdank, einem Hilfsfonds des „Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“. Der Antrag wurde im Jahr 1937 abgelehnt: Der Sänger sei „auch heute noch nicht nat. soz. eingestellt“. Das weitere Schicksal Ferdinand Mehls ist unbekannt.
1882 Stuttgart