Als Sohn eines Justizrates wurde Ernst Weißler am 28. Mai 1887 in Königshütte, dem heute polnischen Chorzów, geboren. Der Familientradition folgend studierte er nach dem Abitur Jura an der Universität Halle, gab die Juristenlaufbahn aber bereits während des Referendariats auf. Ab 1910 nahm er in Halle Unterricht in Musiktheorie und Gesang, ab 1911 setzte er diese Ausbildung an der Hochschule für Musik in Berlin fort. Bereits eines seiner ersten Engagements führte Ernst Weißler zu den Bayreuther Festspielen, wo er 1914 als Bass den Festspielchor verstärkte. Nach einer einjährigen Verpflichtung als Bass und Solorepetitor am Stadttheater in Halle wechselte er 1915 ans Lübecker Stadttheater. 1916 wurde er zum Armeedienst verpflichtet, setzte seine Karriere aber nach Kriegsende in Berlin fort, nun als privater Repetitor und Pianist. Von 1925 bis 1927 lebte Weißler als Dozent und Konzertpianist in Eberswalde, bevor er nach Berlin zurückkehrte.
Nach 1933 verschlechterten sich seine Lebensumstände zunehmend: Ernst Weißler galt für die neuen Machthaber als Jude. Zwar wurde er zunächst als „nicht-arisches“ Mitglied in die „Reichsmusikkammer“ aufgenommen, zum 22. August 1935 aber wieder ausgeschlossen. Sein Einspruch gegen diesen Bescheid war vergebens. Er hielt sich als Chorsänger in jüdischen Gemeinden und als Musiklehrer über Wasser. Unter anderem erteilte Ernst Weißler auch drei „arischen“ Musikern Unterricht, was ihm per Gesetz untersagt war. Bei einer Überprüfung im Auftrag der „Reichsmusikkammer“ wurde dies festgestellt, ihm drohte eine Strafe in Höhe von 500 RM. In dieser schwierigen Situation erreichte ihn 1937 die Nachricht vom Tod seines jüngeren Bruders Friedrich, der als Mitglied der Bekennenden Kirche im KZ Sachsenhausen ermordet worden war. Ernst Weißler entschied sich, aus Deutschland zu fliehen: An Bord des Passagierdampfers Gneisenau fuhr er am 13. Juni 1939 von Bremen aus nach Schanghai, wo er im Juli eintraf und sich in den folgenden Jahren als Musiklehrer und Barpianist durchschlug. Mit der japanischen Okkupation der Stadt verschärfte sich die Situation für die dort lebende jüdische Bevölkerung: Ab 1943 wurde sie im Ghetto Hongkew interniert. Auch Ernst Weißler musste dort für fast zweieinhalb Jahre unter schwierigsten Bedingungen leben.
Nach Kriegsende siedelte er 1946 nach Peking über, wo er eine Anstellung am Nationalen Kunstinstitut erhielt und wieder Privatunterricht gab. Doch diese Zeit der relativen Stabilität endete nur zwei Jahre später, im November 1948, als alle Ausländer Peking verlassen mussten. Weißler ging erneut nach Schanghai. Seine Versuche, nach Deutschland zurückzukehren, hatten wegen finanzieller Schwierigkeiten erst 1949 Erfolg: Im November des Jahres kehrte er nach Europa zurück und gelangte über Neapel und München nach Freiburg, wo er sich später niederließ. Ein Antrag auf Entschädigung zog sich über mehrere Jahre hin: Er war zunächst auf Unterstützung durch die Fürsorge angewiesen, bis in der Auseinandersetzung mit dem Entschädigungsamt zu seinen Gunsten entschieden und ihm eine Rente gewährt wurde. Ernst Weißler starb am 23. Juni 1972 in Freiburg.
1887 Chorzów (Königshütte)
1972 Freiburg im Breisgau