Ernestine Färber-Strasser wurde am 15. Mai 1884 in Königsberg, dem heute russischen Kaliningrad, geboren. Nach Engagements in Leipzig und Aachen war sie von 1913 bis 1921 an der Hofoper in München engagiert und absolvierte erfolgreiche Auslandsgastspiele in England, Spanien und in der Schweiz. Von 1925 bis 1930 gehörte sie als Altistin zum Ensemble der Stuttgarter Oper. Neben zahlreichen Wagner-Partien sang sie hier die Herodias in Strauss’ Salome, die Emilia in Verdis Othello und die Hexe in Dvoraks Rusalka. Bis 1931 gastierte sie mehrfach an der Münchener Staatsoper und sang auch in der jüdischen Kunstgemeinschaft in Stuttgart. Sie wohnte mit ihrem Mann, dem Kunstmaler Benno Strasser, und der Tochter bis 1933 in der Hegelstrasse.
Die Machtübernahme der NSDAP veränderte das Leben der Familie – Ernestine Färber-Strasser war Jüdin. Nachdem sie 1934 ihre große Wohnung aufgeben musste, flüchtete die Sängerin mit ihrer 18-jährigen Tochter 1937 in die Schweiz, wohin ihr Mann wenige Monate später folgte. 1939 ging Benno Strasser allein nach London, um für die Familie Geld zu verdienen, wurde dort jedoch als Deutscher ab 1940 interniert. Erst im April 1945 kehrte er zu Frau und Tochter zurück. 1951 emigrierte die Familie nach New York, wo Ernestine Färber-Strassers Bruder lebte.
Nach dem Tod ihres Mannes im April 1955 bot sich für Ernestine Färber-Strasser in den USA keine Perspektive mehr. Krank und mittellos kehrte sie im April 1956 zusammen mit ihrer Tochter nach Europa zurück und ließ sich in der Schweiz nieder. Ihr weiteres Schicksal ist bislang ungeklärt.
1884 Kaliningrad (Königsberg)