Enid Szantho wuchs als Tochter eines ungarischen Ministerialbeamten und dessen irisch-stämmiger Ehefrau in Budapest auf. Sie studierte an der dortigen Königlichen Musikakademie und begann, gerade 21 Jahre alt, ihre Laufbahn 1928 an der Staatsoper in Wien. Schnell nahm sie dort eine herausgehobene Stellung ein, wie ein Schreiben der Generaldirektion an die für Personalfragen zuständige Bundestheaterverwaltung von 1932 belegt: „Fräulein Szantho ist mit einem prachtvollen Kontraalt ausgestattet, wie er nur ganz selten vorkommt […] und rangiert heute schon an aller erster Stelle ihres Faches. Die Direktion legt auf das Weiterverbleiben der Künstlerin den allergrößten Wert, weil sie gleichwertig kaum ersetzt werden könnte.“ Ihre herausragende Altstimme machte sie auch für Bayreuth interessant, wo sie von 1930 bis 1937 auftrat. In den 1930er-Jahren begann die Sängerin eine internationale Gastspielkarriere, die sie 1935 nach Florenz, New York und Minneapolis, 1936 nach Berlin und an die Londoner Covent Garden Opera und 1937 schließlich an die New Yorker Metropolitan Opera führte.
Die nationalsozialistische Machtübernahme in Deutschland 1933 hatte Szantho zunächst nicht betroffen. Dies änderte sich mit der Annexion Österreichs durch Deutschland im März 1938: Enid Szantho galt nun als !Halbjüdin“. Der ersten Welle an „Säuberungen“ an der Wiener Staatsoper im April 1938 entging sie, weil kein gleichwertiger Ersatz zu finden war. Wenige Monate später, im August 1938, lief ihr Vertrag aus. Als Szantho versuchte, einen neuen Vertrag zu erhalten, begann die Direktion eine Hinhaltetaktik: Im September war die „Frage ihrer Auftrittserlaubnis seitens der vorgesetzten Stellen noch nicht entschieden“, im November bedurfte ihr Antrag noch der „für nichtarische Personen vorgeschriebenen Sonderbewilligung“. Erst im März 1939, Szantho war wieder in New York und hatte versucht, neue Engagements zu bekommen, teilte die Staatsoper endlich mit, dass „mit dem Zustandekommen des Vertrags nicht zu rechnen“ sei. Auch Bayreuth legte keinen Wert mehr auf ihre Mitwirkung bei den Festspielen: Der künstlerische Leiter der Festspiele, Heinz Tietjen, hatte ihre Nichtverwendung bei den Festspielen 1938 damit begründet, dass er „für ihre Partien diesmal keine Ausländerin sondern eine deutsche Künstlerin verpflichten wollte“.
Die Sängerin zog die Konsequenzen: Im Verlauf des Jahres 1939 kehrte sie kurz nach Budapest zurück, bevor sie im Oktober Europa verließ und in die USA emigrierte. In den folgenden Jahren sang sie offenbar vor allem bei Konzertabenden, so in Pittsburgh, Pennsylvania, und an der Oklahoma State University. Außerdem trat sie 1945 am Broadway in der New York City Opera auf. Nach Kriegsende gastierte sie 1946 in Paris. Enid Szanthos weiterer Lebensweg ist bislang ungeklärt. Im Jahr 1997 wurde sie auf dem Londoner Friedhof Kensal Green beigesetzt.
1907 Budapest
1997 London