Am 12. Februar 1894 im elsässischen Colmar als Sohn des jüdischen Kaufmanns Karl Kornsand und seiner Ehefrau, der Malerin Luise Kornsand, geb. Lutzweiler, geboren, wuchs Emil Kornsand zunächst in Karlsruhe auf. 1911 begann er am dortigen Konservatorium ein Musikstudium bei dem prominenten Geiger Rudolf Deman, dem späteren Ehemann der Opernsängerin Frida Leider. In der Folge studierte er am Stern’schen Konservatorium in Berlin, bis er 1914 zum Militär eingezogen wurde. Nach Kriegsende setzte Kornsand sein Studium von 1919 bis 1921 an der Berliner Hochschule für Musik fort.
Bereits während des Studiums hatte der Musiker als Bratschist im Streichquartett von Wladyslaw Waghalter gespielt, dem Konzertmeister der Städtischen Oper in Berlin. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung wurde Emil Kornsand festes Mitglied dieses Ensembles, bevor er 1924 an die Staatsoper Unter den Linden wechselte. Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker wirkte er in verschiedenen Kammermusikensembles, darunter das Streichquartett seines einstigen Lehrers Rudolf Deman, mit dem er im europäischen Ausland auftrat und Schallplatten einspielte.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 galt Emil Kornsand als „Halbjude“, jedoch wurde seine Entlassung durch seinen Status als „Frontkämpfer“ des Ersten Weltkriegs zunächst verhindert. Als dieser Schutz im August 1935 entfiel, gelang es dem Geiger, eine jederzeit widerrufbare Sondergenehmigung der „Reichskulturkammer“ – der NS-Zwangsorganisation für den Kulturbereich – zu erlangen. Zwei Jahre später endete auch dieser Zustand: Zum 31. Dezember 1937 wurde der 53-Jährige zwangspensioniert.
Ohne Auftrittsmöglichkeit und weitgehend mittellos – die Pensionszahlungen wurden auf ein Sperrkonto überwiesen – floh Kornsand aus Deutschland: Am 11. Juli 1938 gelangte er mit dem Dampfer Normandie über Southampton nach New York, bevor er sich im Frühjahr 1939 in Boston niederließ. Im Oktober des Jahres erlangte er eine Anstellung im Boston Symphony Orchestra, die bis 1961 andauerte – zunächst als Bratscher, ab 1950 als Mitglied der ersten Violinen. Zudem trat er als Komponist einer Reihe von Orchesterwerken hervor.
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der Musiker als Pensionär in der Kleinstadt Dennis auf der südlich von Boston gelegenen Halbinsel Cape Cod, wo er gelegentlich als Gastdirigent wirkte. Im Juni 1973 ist Emil Kornsand im Bostoner Vorort Brookline gestorben.
1894 Colmar
1973 Brookline, Massachusetts