Der Bassist Emanuel List wurde am 22. März 1888 als Sohn eines Schneiders in Wien geboren. Er begann als Chorknabe an der Wiener Volksoper und studierte nach dem Stimmbruch bei Emil Steger. Danach reiste er als Mitglied eines Vokalquartetts durch Europa und sang 1914 in einem Vaudeville-Theater in London, bevor er 1918 in die USA auswanderte und in New York seine Ausbildung bei Josiah Zuro fortsetzte. 1921 kehrte er nach Österreich zurück und debütierte im folgenden Jahr als Mephisto in Charles Gounods Faust an der Wiener Volksoper. Zwischen 1923 und 1925 gehörte er zum Ensemble der Städtischen Oper Berlin, von 1923 bis 1934 zu dem der Berliner Staatsoper. Anfang der 1930er-Jahre trat der Sänger regelmäßig als Sarastro und als Marke bei den Salzburger Festspielen auf. Bayreuth erlebte ihn 1933 – alternierend mit Alexander Kipnis – als Pogner, Fafner, Hunding, Hagen, Titurel und Gurnemanz. Den stärksten Eindruck hinterließ seine Darstellung des Hagen.
Die nationalsozialistische Machtübernahme beendete Lists Karriere nicht sofort. „Zugleich mit Klemperer wurde allen jüdischen Mitgliedern der Staatsoper am 1. Juni [1933] für den Schluß der Spielzeit gekündigt. […] Eine Ausnahme wurde nur für Generalmusikdirektor Leo Blech gemacht […], ferner für die beiden Bassisten Emanuel List und Alexander Kipnis, deren Vertrag noch ein Jahr läuft,“ meldete der Berliner Lokalanzeiger im Juni 1933. Ob diese Duldung auf die Protektion Görings zurückging, der ihn schätzte, oder ob seine amerikanische Staatsbürgerschaft den Sänger schützte, ist unklar.
List emigrierte in die USA und wurde Ensemblemitglied der Metropolitan Opera in New York, an der er schon ein Jahr zuvor als Gast debütiert hatte. In den folgenden 16 Jahren sang er dort in 449 Aufführungen 17 Rollen. Zudem gastierte er an allen großen US-amerikanischen Bühnen und wurde durch seine Lieder- und Arienabende auch einem breiteren Publikum bekannt. Trotz seines großen Erfolges in den USA hielt Emanuel List bis 1938 Kontakt zu Europa und trat bei Gastspielen an der Wiener Staatsoper, an der Londoner Covent Garden Opera und am Deutschen Theater in Prag auf. Nach der Annexion Österreichs sagte er seine Teilnahme bei den Salzburger Festspielen 1938 ab.
1950 beendete Emanuel List seine Karriere an der Metropolitan Opera und kehrte nach Berlin zurück. An der dortigen Städtischen Oper und am Theater an der Wien gab er seine letzten Aufführungen. Ab 1952 lebte Emanuel List in Wien. Dort ist der Sänger am 21. Juni 1967 gestorben.
1888 Wien
1967 Wien