Elsa Jülich wurde am Konservatorium in Köln ausgebildet, debütierte 1906 am Stadttheater in Krefeld und war anschließend an den Opernhäusern von Köln, Dortmund und ab 1910 erneut in Krefeld engagiert. 1911 und 1912 trat sie bei den Bayreuther Festspielen auf, 1913 folgte ein Gastspiel an der Londoner Covent Garden Opera. In den folgenden Jahren war die Sopranistin an den Stadttheatern in Freiburg und Bremen engagiert, sang während des Ersten Weltkrieges im Fronttheater im besetzten Lille, ging 1921 an die Frankfurter Oper und gehörte von 1924 bis 1929 dem Ensemble der Städtischen Oper Berlin an. 1930 kam sie letztmalig nach Bayreuth. In den folgenden Jahren trat die Sängerin noch bei Gastspielen auf und arbeitete überwiegend als Gesangslehrerin in Berlin. 1927 hatte Jülich den Kapellmeister und Repetitor der Städtischen Oper, Michael Taube, geheiratet, der Assistent von Bruno Walter gewesen war und in den folgenden Jahren zum erfolgreichen Orchesterleiter aufstieg.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 zerstörte die Karrieren der beiden jüdischen Künstler: Da Jülich und Taube an deutschen Bühnen keine Möglichkeit mehr hatten, ihren Beruf auszuüben, blieb ihnen nur noch die Betätigung im Jüdischen Kulturbund. Michael Taube wurde zum Mitbegründer der Berliner Abteilung des Bundes, Elsa Jülich trat dort als Opernsängerin auf. Nach einer Konzerttournee in Palästina entschlossen sie sich zur Flucht: Das Ehepaar löste seinen Haushalt auf, verkaufte verlustreich Instrumente, Noten und Bücher und verließ im September 1935 Berlin. Die Abmeldebescheinigung vermerkte lakonisch: „Am 23. 9. 1935 verzieht von Berlin, Kaiserallee Nr. 46 nach Palästina, Tel-Aviv, […] Taube, geb. Jülich.“
Die beiden ließen sich in der Stadt Ramat Gan in der Nähe von Tel Aviv nieder. Während es Michael Taube gelang, als Dirigent, Orchesterleiter und Direktor eines von ihm gegründeten Konservatoriums eine zweite Karriere aufzubauen, trat Elsa Jülich nur noch gelegentlich auf Konzertabenden in Erscheinung und war sonst vor allem als Gesangslehrerin tätig. Nach Kriegsende kam sie für eine Konzerttournee für Flüchtlinge nach Deutschland und trat in diesem Rahmen 1948 im ehemaligen KZ Bergen-Belsen auf. 1956/57 kehrte sie nach Deutschland zurück, wo ihre Kinder lebten. Sie ließ sich in West-Berlin nieder, ging aber später wieder nach Ramat Gan. Dort verstarb Elsa Jülich am 23. Juni 1964. Michael Taube starb am 23. Februar 1972 in Tel Aviv.
1886 Köln
1964 Ramat Gan