Am 3. Mai 1879 in Prag geboren, studierte Egon Pollak zunächst Mathematik, brach das Studium aber zugunsten einer Ausbildung zum Dirigenten ab, die er bei Karl Knittel, dem Direktor des Prager Konservatoriums, absolvierte. Seine Karriere begann 1901 als Chordirigent und Assistent von Leo Blech am Neuen Deutschen Theater in Prag. 1905 ging er als erster Opernkapellmeister nach Bremen, wechselte 1910 nach Leipzig und 1912 nach Frankfurt am Main. 1917 kam er schließlich als musikalischer Oberleiter an das Hamburger Stadttheater, wo er 1922 zum Generalmusikdirektor avancierte.
Hier dirigierte er 1920, zeitgleich mit Otto Klemperer am Kölner Opernhaus, die Uraufführung von Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt. Pollak galt als Spezialist für die Musikdramen Richard Wagners und brachte etwa 1927 den Ring des Nibelungen in Hamburg zur Aufführung. In der Spielzeit 1930/31 gastierte er zusammen mit der Elite deutscher Sänger – darunter Frida Leider und Lotte Lehmann – in Chicago, wo er Die Walküre, Lohengrin, Tannhäuser und Die Meistersinger von Nürnberg dirigierte. In Hamburg allerdings reagierte insbesondere die nationalsozialistische Presse mit Kritik und warf Pollak vor, seine Pflichten vor Ort zu vernachlässigen. Der wahre Grund jedoch lag nicht im Auslandsgastspiel, sondern in dem Umstand, dass Pollak – wie Generalintendant Leopold Sachse – jüdischer Herkunft war.
„Von dieser Bühne“, so geiferte das lokale Nazi-Blatt im Juli 1931, von „der Domäne […] des jüdischen Intendanten Sachse und der hebräischen Dirigenten Pollak und Wolff – von dieser Bühne die Verwirklichung des Ideals einer deutschen Opernbühne zu verlangen: das ist wohl zuviel verlangt.“ Zugleich überzogen die NS-Redakteure das Direktorium der Oper immer wieder mit Vorwürfen der persönlichen Bereicherung und der überhöhten Gagenzahlungen an von ihnen protegierte Gäste – die Juden Sachse und Pollak, so das Narrativ, hätten das Staatstheater „in die kulturelle Dekadenz und Überfremdung der Gegenwart“ hineingezogen.
Entnervt von der antisemitischen Hetze, kündigte Egon Pollak im Juni 1931 seinen Vertrag und ging an die Oper in Chicago. Als das Haus aus finanziellen Gründen schließen musste, gastierte er 1932 in der Sowjetunion, an der Wiener Staatsoper sowie in Kairo und Alexandria. Im Mai 1932 kehrte er noch einmal für ein Gastspiel nach Hamburg zurück, ging dann jedoch als Operndirektor an das Neue Deutsche Theater in Prag. Dort ist Egon Pollak am 14. Juni 1933 während einer Fidelio-Vorstellung an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben.
1879 Prag
1933 Prag