Eduard Weiß wurde am 15. Oktober 1880 in Wien geboren. Wahrscheinlich um 1915 verzog der Bratschist zusammen mit seiner Ehefrau ins böhmische Kremsier auf dem Gebiet der späteren Tschechoslowakei. Dort wurde ihr Sohn Friedrich geboren. Ab 1922 lebte die Familie in Brünn, wo Eduard Weiß bis 1934 im Orchester des Deutschen Theaters engagiert war. Er wurde dort Konzertmeister und war zugleich als Musikpädagoge tätig. Im Dezember 1927 wurde der zweite Sohn Richard geboren. 1924 war Eduard Weiß zum ersten Mal Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters. Der Dirigent Karl Muck, zuständig für die Zusammenstellung des Orchesters, hatte den Konzertmeister am Deutschen Theater in Brünn, Adam Macudzinsky, aufgefordert, „einen Judenbratscher“ – Eduard Weiß – mitzubringen. Seitdem spielte dieser bei allen Bayreuther Festspielen bis einschließlich 1930.
In den Jahren zwischen 1934 und 1937 versuchte der Bratschist vergeblich, tschechoslowakischer Staatsbürger zu werden. Nach der gewaltsamen Auflösung der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich im März 1939 wurden der Jude Eduard Weiß und seine Familie Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung: Ende 1941 begann die Deportation der jüdischen Einwohner Brünns. Eduard Weiß, seine Frau und seine beiden Söhne mussten sich am 28. März 1942 in der ehemaligen Schule in der Merhautova 37 einfinden. Von dort wurden sie drei Tage später in das Konzentrationslager Theresienstadt und anschließend am 25. Mai 1942 in das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.
1880 Wien