Am 23. November 1881 wurde Bertha Dehn als Tochter des Arztes Maximilian Dehn und seiner Frau Bertha, geb. Raf, in Hamburg geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters lebte sie für einige Jahre bei Verwandten in England, kehrte aber spätestens 1909 in ihre Heimatstadt zurück. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie am Bernuth’schen Konservatorium in Hamburg und bei dem prominenten Geiger und Komponisten Henri Marteau in Berlin. Anschließend arbeitete sie als Geigerin und Geigenlehrerin in Hamburg. Bertha Dehn stammte aus einer jüdischen Familie, trat aber 1924 aus der Gemeinde aus.
Im Jahr 1915 erhielt sie – wahrscheinlich, weil viele männliche Musiker zum Kriegsdienst einberufen worden waren – als erste und einzige Frau ein Engagement in demOrchester des Hamburger Stadttheaters. Dort spielte sie 1932 bei den ersten Geigen, wurde dann aber zu den zweiten Geigen versetzt.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Bertha Dehn Ende Juli 1933 aus ihrer Stellung entlassen – offiziell aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes. Als Jüdin wäre ihr allerdings aufgrund der nationalsozialistische Rassenlehre ohnehin gekündigt worden. In den folgenden Jahren lebte die Musikerin von einer geringen Pension und den Honoraren als Geigenlehrerin. Zudem wirkte sie bis 1938 bei Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes in Hamburg wie in dessen Ortsgruppe Rhein-Main mit. 1941 bereitete sie ihre Flucht nach Ecuador vor, wohin bereits einer ihrer Brüder emigriert war. Kurz bevor sie in das Ghetto Lodz deportiert werden sollte – ihr Name fand sich bereits auf der Liste einer für den 25. Oktober 1941 vorgesehenen Deportation – verließ Bertha Dehn Deutschland und gelangte über Kuba nach Ecuador.
Dort lebte sie zunächst in Quito und anschließend in Cuenca, wo sie sich als Lehrerin am Konservatorium sowie als Sprachlehrerin betätigte und in einem Streichquartett spielte. Doch eine Fortsetzung ihrer musikalischen Karriere gelang der mittlerweile sechzigjährigen Musikerin nicht. Nach einem Schlaganfall übersiedelte Bertha Dehn 1946 nach Porto Alegre in Brasilien, wo sie bei einer ebenfalls aus Hamburg emigrierten Familie Zuflucht fand. Im Oktober 1948 kehrte sie nach Hamburg zurück, trat wieder in die jüdische Gemeinde ein und lebte in den folgenden Jahren im jüdischen Altersheim in der Sedanstraße. Krank und durch Verfolgung und Exil gebrochen, ist Bertha Dehn am 17. April 1953 in Hamburg gestorben.
1881 Hamburg
1953 Hamburg